Am 31. Mai hat sich im historischen Klosterstift Marienfließ die christliche Weggemeinschaft „Quellort Marienfließ“ offiziell neu gegründet. Vor genau einem Jahr, am 19. Juli 2025, war die Vorgängergemeinschaft an Konflikten über den Umgang mit der Mitgliedschaft eines aktiven AfD-Mandatsträgers zerbrochen.
Neue Regeln für mehr Transparenz
Mit einem grundlegend überarbeiteten Gründungstext, einem fünfstufigen Aufnahmeverfahren und verbindlichen Transparenzregeln will die neue Gemeinschaft nun einen bewussten Neuanfang beginnen, teilte der Prior (Vorsteher) der Gemeinschaft, Pfarrer Helmut Kautz, mit.
„Die Erfahrungen des vergangenen Jahres haben die Beteiligten nachhaltig geprägt“, erklärt der evangelische Geistliche. Ein Mangel an verbindlichen Regelungen habe dazu geführt, dass die politische Funktion eines Mitglieds nicht allen Mitgliedern der Gemeinschaft bekannt gewesen sei. Nach ihrem Bekanntwerden sei es zu Spannungen gekommen, die schließlich zur Auflösung der damaligen Gemeinschaft geführt hätten.
Kautz: „Übernehmen Verantwortung für Fehler“
„Wir haben im vergangenen Jahr schmerzhaft gelernt, dass Vertrauen tragfähige Strukturen braucht“, erklärt Kautz, der gemeinsam mit seiner Frau Almut in das Priorat der neuen Gemeinschaft gewählt wurde. „Wir übernehmen Verantwortung für Fehler, die geschehen sind. Gleichzeitig glauben wir, dass Versöhnung durch Jesus und ein liebevoller Neuanfang möglich sind. Deshalb schaffen wir heute Strukturen, die Offenheit, Transparenz und gegenseitige Verantwortung fördern.“
Die Weggemeinschaft versteht sich nach eigenen Angaben als geistlicher Lebensort für Menschen, die ihren Glauben verbindlich gemeinsam leben möchten. Sie möchte zugleich ein Ort sein, an dem Menschen Gott begegnen, Hoffnung schöpfen und tragfähige Beziehungen erleben können. Sie soll geprägt sein von gemeinsamen Gebetszeiten, gemeinsamen Unternehmungen und dem Engagement für die Menschen der Region, hieß es weiter.
Anbindung an das Stift und externe Kontrolle
Um das geistliche Leben langfristig zu sichern, hat sich die Gemeinschaft eng an die historische Stiftung des Klosterstifts angebunden. Der „Marienfließer Konsens“ regelt die jährliche Berichterstattung gegenüber dem Stiftskapitel. Darüber hinaus dient das jährlich stattfindende „Marienfließer Forum“ dem offenen Austausch und der frühzeitigen Wahrnehmung möglicher Konflikte. Ergänzend lässt sich die Gemeinschaft einmal jährlich von zwei externen Personen visitieren, also überprüfen.
Die Weggemeinschaft lädt Menschen aus ganz Deutschland ein, ihren Lebensweg gemeinsam mit anderen Christen zu gestalten – unabhängig davon, ob sie alleinstehend sind, als Familie leben oder sich im Ruhestand befinden. Interessierte durchlaufen ein strukturiertes, fünfstufiges Aufnahmeverfahren. Dazu gehören Kennenlernphasen, ein mehrwöchiges Probewohnen sowie eine Probezeit.
Mitbestimmung und klare Verantwortungsstrukturen
Das Leitbild und der Gründungstext, der von den neun Gründungsmitgliedern einstimmig beschlossen wurde, verteilen Verantwortung bewusst auf mehrere Ebenen und stärken die Mitwirkung aller Mitglieder, hieß es weiter. Neben Almut und Helmut Kautz wurde ein Gemeinschaftsrat eingerichtet, dem zusätzlich Dominik Herbst und Nina Sterneck angehören. Dieses operative Leitungsteam soll die Arbeit des Priorats begleiten, Entscheidungen mitgestalten und gemeinsam Verantwortung für die Entwicklung der Gemeinschaft tragen.
Zu den zentralen Regelungen gehört die Verpflichtung aller Mitglieder, politische Mandate oder öffentliche Ämter gegenüber dem Gemeinschaftsrat offenzulegen. Das Statut ermöglicht darüber hinaus einen Ausschluss aus der Weggemeinschaft bei gemeinschaftsschädigendem Verhalten. Dazu zählt ausdrücklich auch der Versuch, die Gemeinschaft für verfassungsfeindliche oder spalterische politische Zwecke zu instrumentalisieren.
Ein geistlicher Ort mit langer Geschichte
Das Klosterstift Marienfließ in der Ortschaft Stepenitz (Gemeinde Marienfließ im Amt Meyenburg) wurde 1231 durch den Ritter Johann Gans zu Putlitz gegründet und gilt als das älteste Zisterzienserinnenkloster Brandenburgs. Nach der Reformation wurde es in ein evangelisches Damenstift umgewandelt.
Heute gibt es auf dem Gelände verschiedene kirchliche und kulturelle Angebote. Die Weggemeinschaft „Quellort Marienfließ“ lebt auf dem Gelände des Klosterstifts in gemietetem Wohnraum. Sie gestalte ihr geistliches Leben eigenständig und arbeite dabei in enger Abstimmung mit dem Stiftskapitel zusammen, hieß es abschließend.