Raubritter Hermann Ribe: Burgen, Gräben und ein düsterer Ruf
Raubritter Hermann Ribe: Spuren im Norden

Nahe dem Landgestüt Redefin im Südwesten Mecklenburgs ist eine mittelalterliche Burgstelle erhalten, die noch heute auffällt. Am Weg „Am Heller“ liegt eine kreisrunde Anlage mit Ringgraben. Mauern stehen dort nicht mehr, doch der Grundriss lässt erkennen: Hier befand sich einst ein befestigter Adelssitz.

Für das Jahr 1306 wird diese Anlage als Besitz des sächsischen Ritters Hermann Ribe genannt. In den Quellen erscheint sein Name in zeittypisch unterschiedlichen Schreibweisen, darunter Ribe, Riebe, Rybe und von Rieben. Seine Spuren führen zu Burgstellen zwischen Mecklenburg, Lauenburg und Elbe.

Eine alte Familie in unruhiger Zeit

Hermann Ribe stammte wahrscheinlich aus dem Geschlecht derer von Rieben. Die Familie hatte wohl wendisch-slawische Wurzeln und ist 1237 mit Henricus Ribe erstmals urkundlich fassbar. Ihr Wappen zeigte einen silbernen Fisch auf rotem Grund. Der Name wird häufig mit dem slawischen „Riba“ für Fisch verbunden.

Die Rieben waren in Mecklenburg lange präsent. In Galenbeck westlich von Friedland am Galenbecker See blieben Burg und Gut bis 1945 in Familienbesitz. Hermann Ribe kam damit aus einem Geschlecht, das über Jahrhunderte Besitz und Einfluss in der Region hielt.

Städte wollten sichere Handelswege

Das späte 13. Jahrhundert war im Norden von unsicheren Machtverhältnissen geprägt. In Mecklenburg, Rostock, Sachsen-Lauenburg und anderen Gebieten gab es minderjährige Erben, Vormundschaften und Landesteilungen. In dieser Lage traten adelige Vasallen an vielen Orten selbstbewusst auf.

Gleichzeitig wurden Städte wie Lübeck, Wismar und Rostock wirtschaftlich immer stärker. Sie waren auf sichere Wege für Händler, Fuhrwerke und Waren angewiesen. Schon 1283 wurde in Rostock ein Landfrieden geschlossen, um Fehden und Überfälle einzudämmen. Doch besonders auf den Routen zwischen Elbe und Ostsee blieb die Lage angespannt.

Hitzacker und Wehningen als Stützpunkte

In älteren Darstellungen erscheint Hermann Ribe als Landesvormund und Statthalter für Sachsen-Lauenburg nördlich der Elbe. Seit 1285 wird Hitzacker als sein Sitz genannt, damals ein wichtiger Ort an Elbe und Jeetzel. Ribe war damit auch in die lauenburgische Herrschaftspolitik eingebunden.

Von Lauenburg und Hitzacker aus führte der Weg elbaufwärts nach Wehningen. Dort soll Ribe um 1285 eine eigene Burg errichtet haben. Als Burgmann der Lauenburg stand er im Umfeld einer wichtigen landesherrlichen Burg. Wehningen lag an einer ehemaligen Elbschleife und bot einen strategisch günstigen Blick über den Fluss und die wichtigen Verkehrswege. Der Überlieferung zufolge diente die Burg als Ausgangspunkt für Raubzüge.

Der Burgplatz liegt heute direkt am Elberadweg; Überlegungen, die Reste für Besucher stärker erlebbar zu machen, wurden bislang nicht konsequent umgesetzt.

Riepenburg zwischen Zoll und Handel

Auch die Riepenburg in den Vierlanden an der Elbe gehört zu Ribes Geschichte. Sie lag nahe der Zollstelle Eyslingen, dem späteren Zollenspieker. Dort trafen Fähre, Flussübergang und Zolleinnahmen zusammen. Die Burg diente der Sicherung eines wirtschaftlich wichtigen Punktes.

Hermann Ribe wird 1289 als Besitzer der Riepenburg genannt. Für Kaufleute konnten feste Plätze an Übergängen problematisch werden, wenn dort Abgaben erhoben oder Wege blockiert wurden. Aus Lübecker Quellen ist für dasselbe Jahr überliefert, dass ein Angehöriger der Familie Ribe wegen Straßenraubs hingerichtet wurde.

Der Landfrieden von Dutzow 1291

1291 wurde der Streit um die lauenburgischen Burgen zu einer größeren politischen Angelegenheit. In Dutzow einigten sich Fürsten, Grafen und die Stadt Lübeck mit Vertretern der lauenburgischen Seite darauf, mehrere Burgen abzubrechen. Auch Wehningen wurde genannt.

Hermann Ribe trat dabei als Vertreter der lauenburgischen Seite auf. Nach überlieferten Nachrichten wurde er mit Verbündeten gefangen genommen, kam aber wieder frei, nachdem der Abriss der Burgen zugesagt worden war. In dem Friedensschluss wurde festgelegt, dass die Anlagen abgetragen, ihre Gräben zugeschüttet und die Burgen nicht wieder aufgebaut werden sollten.

Glaisin und Heller in Mecklenburg

In Mecklenburg ist vor allem die Riebeburg bei Glaisin mit den Ribes verbunden. Dort erinnern Spuren eines Burggrabens an eine Anlage, die in der Überlieferung als eine der stärksten Befestigungen in Mecklenburg-Schwerin zu der Zeit gilt. 1298 wurde die Riebeburg nach längerer Belagerung erobert und zerstört.

Der Heller bei Redefin ist dagegen bis heute besonders gut im Gelände zu erkennen. Die kreisrunde Burgstelle mit Ringgraben liegt nahe dem Landgestüt. Im Inneren standen vermutlich ein mehrstöckiger Wohnturm sowie ein Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

Später kam die Burg an die Familie von Pentz. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wurde sie aufgegeben.

Was von Hermann Ribe blieb

Von Hermann Ribe ist keine vollständig erhaltene Burg geblieben. Auch ein Bildnis des Ritters ist nicht überliefert. Was von ihm fassbar ist, liegt in Urkunden, Ortsnamen und im Gelände: Ringgräben, Burgstellen und Spuren alter Befestigungen.

Der Ruf als Raubritter blieb an Ribe haften, weil städtische Quellen ihn und sein Umfeld mit unsicheren Wegen, Überfällen und Konflikten um Handel und Zölle verbanden. Die Burgen erzählen davon bis heute. So bleibt von Hermann Ribe weniger ein Gesicht als eine Landschaft voller Hinweise. Alte Burgen, Gräben und ein düsterer Ruf – daraus setzt sich die Geschichte eines Ritters zusammen, der im Norden mehr Spuren hinterlassen hat, als auf den ersten Blick zu sehen ist.