Schloss Güstrow: Renaissance-Decke nach Restaurierung enthüllt
Schloss Güstrow: Renaissance-Decke nach Restaurierung enthüllt

Die Decke der Tordurchfahrt von Schloss Güstrow präsentiert sich nach einer viermonatigen Restaurierung in den warmen, matt glänzenden Farben der Renaissance. Bauleiter Christoph Heyn bezeichnet das Projekt als eine seiner größten und spannendsten Baustellen. „So ein Renaissanceschloss steht schließlich nicht überall“, sagt er. Jeden Mittwoch ist er vor Ort, beantwortet Fragen und führt Fachleute durch das historische Areal.

Stuckdecke und Mauerwerk: Herausforderungen der Restaurierung

Der Stuck an der Decke zur Tordurchfahrt war relativ vollständig erhalten, das Mauerwerk jedoch arg beschädigt und rissig. Die Restauratoren haben den aufwendigen Deckenschmuck in mühevoller Kleinarbeit gesichert und ergänzt. Die damaligen Meister haben die Figuren an Ort und Stelle modelliert, erklärt Christoph Heyn. Jedes Gesicht sieht ähnlich aus und ist doch individuell. Das urige Eichentor an der Toreinfahrt hat sich im Laufe der Jahrhunderte verzogen, funktioniert aber noch.

Gern hätte man die gesamte Außenfassade in Renaissancemanier verputzt, so der Projektleiter. Zu DDR-Zeiten sei der Putz allerdings derart dick und wulstig aufgetragen worden, dass man beim Abtragen nur das Mauerwerk beschädigen würde.

Weitere Arbeiten und Entdeckungen

Fast alle Gerüste sind gefallen. Die gesamte Fassade soll Ende September fertig sein. Die letzten Arbeiten am Mauerwerk stehen dort an, wo die Gerüste standen, etwa im Sockelbereich. „Zwölf Wochen war es sehr kalt im Winter, das hat uns etwas zurückgeworfen“, erklärt der Bauleiter. Bauforscher haben unter anderem Aborte an der Nordfassade aus der Renaissance gefunden.

Die barocke Brücke hatte einige unvorhergesehene Überraschungen parat, weshalb sich die Bauarbeiten dort noch bis ins nächste Jahr ziehen werden. Man hatte sich entschieden, die galerieähnlichen Bögen und Pfeiler, die die Brücke tragen, wieder erlebbar zu machen. Neun Meter lange Pfähle aus Stahlbeton sollen das Konstrukt tragen.

Nutzungskonzept und Zukunft

Die Innenräume werden sukzessive nach einfachem Standard hergerichtet, so Christoph Heyn. Allerdings können die Räume nicht durchrestauriert werden, da die finanziellen Mittel des Landeshaushalts nicht reichen. Erd- und Obergeschoss von Süd- und Westflügel würden nach einem Museumsansatz in verschiedenen Qualitätsstufen hergerichtet. Das zweite Obergeschoss ist für Wechselausstellungen vorgesehen – alles noch unter finanziellem Vorbehalt.

Die Güstrower Architektin Gabriele Schuldt, ebenfalls mit dem Projekt betraut, erzählt, dass viele sich wieder Gastronomie wünschen. Es dürfte jedoch schwer sein, Pächter für ein Café zu finden. Christoph Heyn räumt ein, dass das Schlosscafé in Ludwigslust gut laufe, und sich im Jagdschloss Granitz die gastronomischen Einrichtungen gegenseitig Konkurrenz machen. Wichtig und beglückend sei, dass Güstrower und Gäste schon jetzt mit Spannung den Fortgang verfolgen und überwiegend positives Feedback geben, sagt Gabriele Schuldt. „Wir haben die Hoffnung, dass die Menschen nach Fertigstellung sagen: Auch wenn es länger gedauert und hat und teuer war: Es hat sich gelohnt. Das habt ihr sehr gut gemacht!“