In Stavenhagen gibt es ab sofort ein neues Angebot zur Gesundheitsvorsorge: Jeden ersten Montag im Monat ist Regina Göretzlehner als „Schwester Inge“ im Jugendklub vor Ort und bietet kostenlose Vitalchecks an. Das Projekt orientiert sich am Vorbild der Gemeindeschwester aus DDR-Zeiten und soll helfen, Lücken in der medizinischen und pflegerischen Versorgung im ländlichen Raum zu schließen.
Angebot im Weststadt-Viertel
Die Projektmanagerin des „Informationszentrums Gesundheitsamt (InGe)“ im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bringt für ihre Einsätze einen bunten Rucksack mit, der alles Nötige enthält. „Da passt mehr rein als man denkt“, sagt sie und packt Geräte zur Messung von Blutdruck, Puls und Blutzucker aus. Zudem legt sie Infomaterial und Hilfsmittel bereit, darunter auch Sonnenmilch, Basecaps und Hitzewarner. „Hitze ist ja jetzt ein großes Thema“, erklärt sie.
Angestoßen wurde das Angebot in Stavenhagen von der Wohnungsverwaltung GmbH und der Wohnungsgenossenschaft der Reuterstadt. Beim ersten Termin im Weststadt-Viertel war Udo Rieche der erste Besucher. Der 65-Jährige findet das Angebot gut: „Das ist eine gute Sache. Das gibt es kaum noch, dass man einfach so mal einen Vitalcheck durchführen lassen kann. Oder man muss lange beim Arzt warten.“ Auch Silvana Gerlach (34) nutzte die Gelegenheit, als sie ihre Schwiegermutter begleitete. „Ich finde das gut“, sagt sie.
Anlaufzeit erwartet
Der Zulauf zum Start war noch verhalten. „Das muss erst anlaufen, sich herumsprechen“, sagt Regina Göretzlehner. Sie kennt das aus anderen Orten: „Wenn ein bis zwei da waren, verbreitet sich das wie stille Post.“ In Neubrandenburg im Reitbahnviertel, im Lindetalcenter oder in Siedenbollentin werde das Angebot inzwischen sehr gut angenommen. Viele Kommunen hätten sie angesprochen, ob sie auch zu ihnen kommen könne. Das seit Dezember 2023 laufende Modellprojekt im Landkreis ist zunächst bis Ende dieses Jahres befristet, die weitere Finanzierung ist noch unklar.
Die meisten Besucherinnen und Besucher nutzen den Vitalcheck. Wenn Auffälligkeiten festgestellt werden, berät Göretzlehner oder empfiehlt, den Hausarzt aufzusuchen. Sie gibt Tipps zu Medikamenten oder Alternativen und hilft auch dabei, unverständliche Arztbriefe zu „übersetzen“. Aktuell berät sie viel zum Thema Hitzeschutz.
Historisches Vorbild
Regina Göretzlehner ist ausgebildete Krankenschwester mit Zusatzqualifikationen in Anästhesie, Palliativ- und Intensivpflege und hat lange im Rettungsdienst gearbeitet. Das Projekt liegt ihr am Herzen, auch weil ihre Großtante in Dresden Gemeindeschwester war. Zwar besitzt sie in der Familie noch eine „Schwalbe“, aber mit dem Simson-Moped fährt sie heute nicht herum wie die „Schwester Agnes“ aus dem DEFA-Film. In Neubrandenburg nutzt sie das E-Bike, über Land das Privatauto.
Ihre Arbeit versteht sie als Prävention, damit Menschen so lange wie möglich selbstständig zu Hause wohnen können. Selbst würde sie später auch eine Gemeindeschwester haben wollen.