Der Wahlkampfendspurt zur Landtagswahl 2026 hat begonnen. Im Wahlkreis 21 (Stadt Neustrelitz, Feldberger Seenlandschaft, Kleinseenplatte, Neustrelitz Land) bewerben sich sieben Direktkandidaten um ein Mandat im Schweriner Landtag. Der Nordkurier hat sie zu ihren politischen Zielen befragt und drei Fragen gestellt: zu den größten Herausforderungen, zur Gegenfinanzierung von Vorhaben und zu einem möglichen Kaffeeplausch mit einem Gegenkandidaten.
Die Kandidaten und ihre Schwerpunkte
Diana Goede (SPD), Fachschwester für Anästhesie- und Intensivpflege aus Neustrelitz, will die medizinische Versorgung sichern. Fast jeder dritte Hausarzt sei über 60, auch in der Pflege sei die Lage ähnlich. Konkret setzt sie sich dafür ein, dass das Krankenhaus in Neustrelitz seine Leistungen behält, einschließlich Gynäkologie und Geburtshilfe. Im Herbst entscheidet das Land, welche Häuser welche Leistungen anbieten dürfen. Wer aus Mirow zur Geburt fahren müsse, sitze sonst eine Stunde im Auto.
Marko Vonhoff (CDU), Bundespolizist aus Adamsdorf, sieht die größte Herausforderung darin, Mecklenburg-Vorpommern als Flächenland zukunftsfest zu machen. Im ländlichen Raum müssten Infrastruktur, Mobilität, medizinische Versorgung und wirtschaftliche Perspektiven gesichert werden. Zudem fordert er weniger Bürokratie und schnellere Genehmigungen. Für den Wahlkreis bedeutet das aus seiner Sicht: Kommunen stärken und Erreichbarkeit verbessern.
Finanzierung und Einsparpotenziale
Diana Goede sieht das größte Einsparpotenzial in der besseren Nutzung vorhandener Strukturen, etwa bei Kitas und Tagespflege unter einem Dach oder bei Gesundheitshäusern mit geteilten Geräten. Bildung, Soziales und Sicherheit seien gut angelegtes Geld. Da ein großer Teil der Landeseinnahmen nach Einwohnerzahl berechnet werde, bringe jeder Mensch, der im Land bleibe, finanziellen Spielraum. Daseinsvorsorge sei keine Ausgabe, sondern die Bedingung für Investitionen.
Marko Vonhoff verweist auf das CDU-Programm mit einer Haushaltsstrukturkommission, die Aufgaben und Ausgaben überprüfen soll. Einsparpotenziale sieht er bei Verwaltung, Bürokratie und ineffizienten Strukturen. Es gehe nicht um pauschales Kürzen, sondern um Prioritäten für Bildung, Infrastruktur, Digitalisierung und Wirtschaft.
Niklas Hehenkamp (Die Linke), Elektroingenieur aus Feldberg, fordert eine Vermögensteuer, eine gerechte Erbschaftsteuer und einen wirksamen Kampf gegen Steuerhinterziehung und Finanzkriminalität. Sparen sollte man nicht bei Schulen, Kitas und Infrastruktur, sondern im Bundeshaushalt bei der Aufrüstung. Seine zentrale Forderung: Das Leben müsse wieder bezahlbar werden, mit fairen Löhnen, bezahlbaren Mieten und guten Schulen.
Ines Balke (Bündnis90/Die Grünen), Büroleitung aus Penzlin, lehnt pauschale Kürzungen ab. Eine gute Schule, ein funktionierender ÖPNV, ein Kulturverein oder ein Jugendtreff seien keine Luxusausgaben. Jeder Euro, der heute in Bildung, Infrastruktur oder Klimaschutz investiert werde, spare morgen hohe Folgekosten. Solide Haushaltspolitik bedeute nicht, möglichst wenig auszugeben, sondern das Geld dort einzusetzen, wo es den größten Nutzen bringe.
Ludwig Lünsmann (FDP), Student aus Neustrelitz, meint, der Staat habe genug Einnahmen. Es gelte, Ressourcen effizienter zum Nutzen der Bürger einzusetzen, etwa durch verkürzte Verwaltungsprozesse und vollständige Digitalisierung. Auch der Einsatz von KI für Verwaltungsaufgaben biete großes Sparpotenzial. Der Fachkräftemangel und der Renteneintritt geburtenstarker Jahrgänge mache auch vor dem Verwaltungsapparat nicht halt.
Olaf Jammrath (BSW), Vertriebsangestellter aus Neubrandenburg, fordert mehr Einfluss der Länder auf den Einsatz von Mitteln und einen Fokus auf den Nordosten des Bundeslandes. Potenzial sieht er in der Digitalisierung der Landesverwaltung und in der Entbürokratisierung. Persönlich wichtig sind ihm der Erhalt kultureller Einrichtungen, die Bündelung von Kräften und der Sport.
Kaffeeplausch mit Gegenkandidaten
Auf die Frage nach einem Kaffeeplausch nannten die Kandidaten unterschiedliche Präferenzen. Diana Goede würde sich mit Niklas Hehenkamp treffen, um zu erfahren, was in Feldberg drückt und was gut läuft. Marko Vonhoff würde am liebsten mit allen Gegenkandidaten gemeinsam sprechen, weil Wahlkampf Wettbewerb, aber keine persönliche Feindschaft bedeute. Niklas Hehenkamp möchte mit Diana Goede sprechen, da beide etwa gleich alt und Eltern seien. Ines Balke würde gern mit allen demokratischen Kandidierenden ins Gespräch kommen. Ludwig Lünsmann ist prinzipiell mit jedem zu einem Kaffee bereit, auch wenn einige Treffen hitziger werden könnten. Olaf Jammrath ist immer zu einem Kaffeeplausch aufgelegt, solange die Runde weltoffen und pluralistisch ist.
Sarah Hoge (AfD) hat nicht geantwortet.