Der Göttinger Steidl Verlag, bekannt für die Zusammenarbeit mit renommierten Fotografen und Stars wie Karl Lagerfeld und Bryan Adams, steckt in einer wirtschaftlichen Schieflage. Bereits 2024 wurden Gehälter nicht gezahlt, wie Arbeitsrechtler Sascha John, der mehrere der zuletzt 18 Angestellten vertritt, berichtet. Die Belegschaft habe lange aus Loyalität weitergearbeitet, obwohl sie monatelang kein Geld erhielt.
Grass-Rechte verloren
Die Günter und Ute Grass Stiftung entzog dem Verlag die Rechte an Grass' Werk aufgrund wiederholter Zahlungsausfälle. Ein neuer Verlag wird für das Grass-Jahr 2027 gesucht. Ein Insolvenzantrag gegen Steidl wurde laut Insolvenzverwalter inzwischen beglichen.
Verleger sucht Investor
Im Deutschlandfunk Kultur gab sich Gerhard Steidl optimistisch: „Was sich jetzt deutlich verbessert hat, durch diese wirtschaftliche Schieflage – die ich ja eingestehe und die sich tagtäglich eigentlich bessert – wir sind mittlerweile über den Berg und kommen auch über die Runden.“ Er berichtete von zwölf ernsthaften Investoren aus der Schweiz, den USA, Singapur und Korea. Die Probleme führt er auf amerikanische Zölle und chinesische Zensur zurück, die das Auslandsgeschäft halbiert hätten.
Immobilien in Göttingen
Steidl betonte, dass ein Investor die Göttinger Innenstadt-Immobilien – Druckerei, Verlagsräume und Privatpension – zusammenhalten müsse: „Das wollen wir nicht aufgeben. Ich kämpfe darum, das zusammenzuhalten. Dieses kleinmaßstäbliche Ensemble muss weiter gedeihen und blühen und soll auch mit dem Literaturhaus, dem Kunsthaus Göttingen und mit dem Verlagshaus ein Kernstück der Göttinger Kulturpolitik sein.“
Stadtverwaltung besorgt
Die Göttinger Stadtverwaltung erklärte, Steidl sei aufgrund seiner Kontakte schwer wegzudenken. Er ist ehrenamtlicher künstlerischer Leiter des Kunsthauses, das der Stadt gehört und mit Bundesförderung gebaut wurde. Die Ausstellungsflächen sind hochwertig, der laufende Betrieb jedoch unterfinanziert.