Die DDR-Vergangenheit beschäftigt die Leserschaft des Nordkurier weiterhin. Günter Rolf Schmidt meldete sich mit einer deutlichen Kritik an einem Artikel zur Ost-West-Abrechnung zu Wort. Er bezeichnete die Darstellung als zynisch und falsch.
Wirtschaftliche Lage der DDR
Schmidt erklärte, die DDR sei pleite und heruntergewirtschaftet gewesen. „Alles war heruntergewirtschaftet. Der Staat war seit Jahrzehnten im Rückwärtsgang“, schrieb er. Er verwies darauf, dass sowjetische Truppen alles Wertvolle abtransportiert hätten und später nichts mehr zu holen gewesen sei. Seit Jahrzehnten sei nur noch von der Substanz genommen worden, ohne Investitionen oder Reparaturen. „Nur so viel wurde gemacht, dass es möglich war, einigermaßen auf niedrigstem Niveau zu arbeiten und zu produzieren“, so Schmidt.
Milliarden-Darlehen und fehlende Systeme
Ohne das Milliarden-Darlehen von Franz Josef Strauß 1983 wäre die DDR früher pleite gewesen, betonte Schmidt. Der Kredit sei nie komplett zurückgezahlt worden. Er kritisierte die Verklärung der DDR: „Die Wiedervereinigung hat 2000 Milliarden Euro gekostet. Geld, das die DDR niemals hatte erwirtschaften können.“ Es habe keine zuverlässigen Sozialsysteme, kein nachhaltiges Rentensystem und keine zukunftsträchtigen Energiesysteme gegeben. Straßen, Brücken und Infrastruktur seien in erbärmlichem Zustand gewesen. Auch die Umweltschäden seien bis heute spürbar.
Stolz auf die Bundesrepublik
Schmidt sieht nichts Gutes an der DDR. „Alles, was nach 1990 kam, war deutlich besser als die 45 Jahre zuvor.“ Er plädierte für einen Schnitt mit dem Negativen, damit etwas Gutes wachsen könne – wie die heutige Bundesrepublik, auf die man stolz sein könne. Den erwähnten Artikel bezeichnete er als „Dünger für die ewig Gestrigen und AFDler“.
Andere Perspektive: Mauerfall und Enttäuschung
Daniel Boschert berichtete von seiner Freude über den Mauerfall 1989. Er sei noch am Abend von Baden-Württemberg nach Berlin gefahren und habe am Brandenburger Tor auf der Mauer gestanden. „Was aber die politische Führung die ganzen Jahre entschieden hat, war nicht im Sinne der Bürger auf beiden Seiten.“ Er bedauerte die Verbitterung im Osten und den Wunsch nach Veränderung. „Da wurde sehr viel durch den Kapitalismus zerstört.“ Sein Freund, der seit über 20 Jahren im Osten lebe, wähle offen die AfD und sehe nur das „schlimme System“. Boschert stimmte Gregor Gysi zu, dass die Wiedervereinigung an einem Tisch mit beider Beteiligung hätte stattfinden müssen.