Zehn Jahre nach dem Horror von Alt Rehse: So steht es um das „Haus Rethra“
Zehn Jahre nach dem Horror von Alt Rehse: So steht es um das Haus

Zehn Jahre nach dem gewaltsamen Tod von Sarah H. in Alt Rehse am Tollensesee ist es still um das ehemalige „Haus Rethra“ geworden. Das Gebäude, in dem die 30-Jährige 2016 mutmaßlich von ihrem Lebensgefährten Axel Ingo G. getötet wurde, steht weiterhin leer und wird zunehmend von der Natur zurückerobert. Die Gemeinde Penzlin, zu der Alt Rehse gehört, meldet bei einer jüngsten Kontrolle lediglich frisch gemähtes Gras auf dem Grundstück – mehr Neuigkeiten gibt es nicht.

Ein Verbrechen, das Schlagzeilen machte

Im Sommer 2016 waren Polizei und Spurensucher in weißen Einweganzügen im Einsatz, als sie die Leiche von Sarah H. in einem schwarzen Plastiksack aus dem Haus trugen. Die junge Frau war die ehemalige Kuppelshow-Kandidatin und Lebensgefährtin von Axel Ingo G., einem Zugezogenen, der im Dorf lange als Außenseiter galt. Nach den Ermittlungen soll der damals 52-Jährige sie zwei Stunden lang mit einer Lederpeitsche misshandelt, gefesselt und ihr Nahrung und Trinken verweigert haben. Sarah H. starb, ihre Leiche blieb mehrere Wochen im Haus, bis ein zufälliger Polizeieinsatz wegen nächtlichen Lärms den Fall aufdeckte.

Prozess und Urteil

Der Fall sorgte für eine lange Prozess-Serie. Das Landgericht Neubrandenburg verurteilte Axel Ingo G. zunächst wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Freiheitsberaubung zu fünf Jahren Haft. Doch der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf, weil die Schuldunfähigkeit des Angeklagten nicht ausreichend geprüft worden war. In der Neuverhandlung konnte die exakte Todesursache wegen des fortgeschrittenen Verwesungszustands der Leiche nicht mehr zweifelsfrei mit den Misshandlungen in Verbindung gebracht werden. Schließlich wurde Axel Ingo G. wegen Körperverletzung, versuchter Nötigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 15 Euro verurteilt – insgesamt 1350 Euro.

Das Haus und die Erbin

Nach der Tat heiratete Laura G. Axel Ingo G. trotz aller Anfeindungen, wie sie vor einigen Jahren in einem Gespräch mit dem Nordkurier erzählte. Als Witwe ist sie Erbin des Hauses, in dem sie nach eigenen Angaben nie lebte. Das leer stehende Anwesen bereitet ihr mehr Last als Freude, da das Areal gesichert und gesäubert werden muss. Ob sie das Haus verkaufen möchte, ist unklar – Bürgermeister Sven Flechner hat keinen Kontakt zu ihr, und für Fragen war sie dem Nordkurier nicht erreichbar.

Axel Ingo G. selbst kam nach seiner Haftentlassung bei einem wahrscheinlich selbst verursachten Gasunfall in seiner Wohnung in Neustrelitz ums Leben. Im Dorf wünschen sich manche, das Haus abzureißen und etwas Neues zu bauen, um den „schwarzen Fleck“ zu tilgen – auch im Hinblick auf die Geschichte des Ortes, in dem die Nazis in den 1930er-Jahren die „Führerschule der Deutschen Ärzteschaft“ eingerichtet hatten. Zehn Jahre nach der Tat möchte man in Alt Rehse endlich Ruhe und andere Themen.