Die Neustrelitzer Fischer Marco und Rüdiger Glashagen fordern eine Entschlammung des Zierker Sees. Sie sprechen sich gegen chemische Maßnahmen aus, die ihrer Ansicht nach wirkungslos und riskant seien. Die beiden beobachten das Gewässer seit 1976 täglich.
See hat hohes Selbstreinigungspotenzial
Durch die biologische und chemische Zusammensetzung habe der Zierker See ein hohes Selbstreinigungspotenzial, berichten die Fischer. Es wachse wieder flächendeckend Kraut, und Schilfgürtel zögen sich am Ufer entlang. Wegen der Witterungsbedingungen und des natürlichen Lebenszyklus herrsche eine hohe Planktondichte.
Bei Nährstoffüberschuss könne das pflanzliche Plankton jedoch zu einem Umkippen des Seesystems führen. Schlamm als Abbauprodukt von Plankton und Algen setze sich am Seegrund ab, verringere die Wassertiefe und behindere Boots- und Schifffahrt sowie den Tourismus.
Schilfgürtel schrumpft, Seerosen verschwunden
„Früher hat es im Zierker See 10 bis 12 Hektar Seerosen gegeben. Diese sind nun unter Schlamm begraben“, sagt Marco Glashagen. Das Schilf habe sich etwas erholt, liege aber bei 40 Metern statt früher 100 Metern. Es habe zudem Schilfinseln mit zwei bis drei Metern Durchmesser gegeben.
„Die Jauche, die zu DDR-Zeiten in den See verfrachtet wurde, ließ die Seepflanzen eingehen“, erklären die Fischer. Die Wurzeln seien jedoch noch vorhanden. Der große Baumbestand führe dazu, dass beim Blattfall Phosphor entstehe.
Fischer fordern Schlammentnahme statt Chemie
Die Fischer plädieren für eine Unterschriftensammlung zur Schlamm-Entnahme. Der Schlamm könne nach dem Ausbaggern als natürlicher Dünger auf Acker oder Wiese gebracht werden. Gegen eine Fällung, also chemische Maßnahmen, sprechen sie sich aus. „Das wären nur weggeschmissene Steuergelder und eine Alibi-Aktion“, findet Rüdiger Glashagen. Die Option sei vor Jahren angedacht, aber erfolgreich verklagt worden.
Bei einer Fällung würde sich der pH-Wert verändern und es würden Aluminiumionen ausgeworfen, die zu Krebs und neuronalen Erkrankungen wie Alzheimer führen können, erklären die Fischer. Der See sei bereits mehrfach gescannt worden. Immer wieder fahren sich Boote fest. Ein klarer See mit guter Durchlichtung ermögliche mehr Photosynthese und Pflanzenwachstum.
Überlauf bei Starkregen und Sanierung bis 2027
Marco Glashagen nennt den Graben mit Regen- und Abwasser im Mischsystem eine Kulturlandschaft. „Wächst der Auslauf zu, betrifft das auch die Bevölkerung“, warnt er. Bei Starkregen könnten die Rohre der Kläranlage die Wassermassen nicht bewältigen, der Überlauf springe an. Wenn dieser nicht gepflegt werde, flögen die Gullydeckel raus und Straßen überfluteten.
Die Sanierung des Sees soll bis 2027 über ein Maßnahmenbündel erreicht werden. Bereits 2021 hieß es von der Stadt Neustrelitz: „Derzeit sorgen Schlammaufwirbelungen für eine Herauslösung von Nährstoffen und verringern die Sichttiefe des Flachwassersees, dessen mittlere Tiefe bei 1,60 Metern liegt. Über zwei Pilotversuche sollen das Makrophytenwachstum gefördert und Muscheln kultiviert werden.“
Seit 2005 wird dem See gereinigtes Abwasser über eine Bodenpassage zugeführt. Am Hafen wurde ein Regenrückhaltebecken gebaut, die Kanalisation saniert. An zwei Zuläufen finden Phosphatfällungen statt. Zuletzt wurden Silber- und Marmorkarpfen abgefischt. Die jahrelang favorisierte Teilentschlammung und ökologische Ausgleichsmaßnahmen fanden jedoch kein Einvernehmen bei den zuständigen Behörden.