Östlich von Hagenow liegt am alten Sudenhof ein Lost Place mit ungewöhnlicher Form. Die Reste des einst rund 530 Meter langen Kasernengebäudes ziehen sich sichelförmig durch Kiefern, Gestrüpp und Erdaufschüttungen. Erhalten sind leere Fenster, brüchige Mauern und eingestürzte Decken.
Vom Luftwaffenstandort zur Kaserne
Von den eigentlichen Anlagen des früheren Flugplatzes ist heute kaum noch etwas zu erkennen. Flugzeughallen, Kommandantur, Telefonzentrale, Offizierskasino und Wachgebäude sind verschwunden oder nur noch in Resten vorhanden. Die Kaserne ist der auffälligste erhaltene Teil des früheren Fliegerhorstes. Ab den 1930er-Jahren gehörte das Gelände zu einem Luftwaffenstandort vor den Toren der westmecklenburgischen Stadt.
Der Bau des Fliegerhorstes begann 1935, als das NS-Regime die Luftwaffe ausbaute. Das Areal lag etwa zwei Kilometer östlich von Hagenow und war rund 1.150 Meter lang und etwa 1.005 Meter breit. Vor der Stadt entstand ein ganzer Militärstandort mit Flugfeld, Hallen, Kasernen und Wirtschaftsgebäuden.
Ausbildung statt Frontbetrieb
Am 1. Dezember 1936 ging der Fliegerhorst in Betrieb. Von Beginn an wurde hier ausgebildet. In der Orterschule Hagenow wurden Flugzeugbeobachter geschult. Sie halfen in den Maschinen bei Navigation und Zielsuche. 1937 entstand die große Kaserne mit Platz für 1.137 Soldaten, 1938 folgte ein Wirtschaftsgebäude für etwa 1.250 Personen.
Hagenow war kein großer Frontflugplatz. Am Sudenhof wurden Piloten geschult, Verbände gesammelt und Einheiten auf neue Aufgaben vorbereitet. Nacheinander waren dort eine Fliegerübungsstelle, Flugzeugführerschulen, Blindflugschulen und Einheiten für die Lastensegler-Ausbildung untergebracht. Zeitweise lagen auch Kampfgeschwader zur besonderen Verwendung, Jagdverbände und Nachtjagdeinheiten in Hagenow.
Kriegsende und sowjetische Nutzung
Ein einfacher Wiesenflugplatz war das nicht. Es gab mehrere Flugzeughallen, Werkstätten, gepflasterte Vorfelder und Unterstände in angrenzenden Waldstücken. Für den Nachtbetrieb waren Begrenzungslichter, Hindernisbefeuerung, ein Leuchtpfad und ein Strahlenanflugsystem vorhanden. Die Grasbahnen waren etwa 1.140 und 1.000 Meter lang; durch eine Erweiterung nach Nordwesten wurde das Rollfeld größer. Ein Luftbild vom März 1944 zeigt aber auch eine Schwachstelle: Von der großen Werfthalle stand offenbar nur das Stahlgerüst. Der Ausbau wurde nicht abgeschlossen. Damit fehlte dem Fliegerhorst eine wichtige Instandsetzungskapazität für größere Reparaturen.
Lange blieb es am Sudenhof vergleichsweise ruhig. Das änderte sich 1944. Im April und Mai griffen amerikanische Flugzeuge den Flugplatz an. Bei einem Tiefflugangriff mit Mustangs und Lightnings wurden rund ein Dutzend Flugzeuge zerstört.
Gegen Kriegsende wurde es am Standort unübersichtlich: Einheiten kamen, wurden umbenannt, aufgefrischt oder weiterverlegt. Im Frühjahr 1945 lagen noch Teile von Nachtjagd- und Nachtschlachtverbänden in Hagenow. Am 2. Mai 1945 besetzten amerikanische Truppen die Stadt und den Fliegerhorst. Anfang Juli übernahm die Rote Armee.
Rückbau und heutiger Zustand
Mit dem Kriegsende war der Flugbetrieb am Sudenhof vorbei. Militärisch genutzt wurde das Gelände aber weiter. Die sowjetischen Streitkräfte übernahmen den früheren Fliegerhorst. Dort lag später unter anderem das 283. Garde-Motschützen-Regiment. Wo zuvor Flugzeuge standen, kamen nun Panzer und Schützenpanzer unter.
Dafür wurden Gebäude umgenutzt, erweitert oder abgerissen. Nördlich des früheren Fliegerhorstes entstand ein Übungsplatz. Der Standort blieb in der DDR militärisch genutzt, nur der Zweck änderte sich. Statt Flugzeugen bestimmten nun Fahrzeuge, Werkstätten und Übungsbetrieb das Gelände.
1992 übernahm die deutsche Verwaltung das Gelände samt Wohnsiedlung und Übungsplatz. Danach begann der Rückbau. Zwischen 1996 und 2004 wurden viele Nebengebäude abgerissen. Auch die große Kaserne blieb nicht unversehrt: Teile verfielen, andere wurden abgebrochen.
Heute steht nur noch ein Teil des früheren Kasernenbogens. Der Rest besteht aus Mauerzügen, Fundamenten und überwucherten Flächen. Später ging es auch um neue Gewerbeflächen: 2019 und 2020 wurden dafür rund 750.000 Euro aus EU-Mitteln eingesetzt. Die alte Kaserne blieb als Ruine am Rand zurück. Von dem Flugplatz selbst ist heute kaum noch etwas übrig. Zu sehen sind vor allem Beton, Ziegel, alte Wege und verwilderte Schneisen.