Ein vergrabener Bierkrug mit 1221 Silbermünzen aus dem 14. Jahrhundert führt zu einem verschwundenen Dorf namens Nepersmühlen. Drei Spuren rund um den Kleinpritzer See bleiben offen, keine liefert den endgültigen Beweis für die genaue Lage des Ortes.
Der Kleinpritzer See trug auf alten Karten den Namen Nepersmühlenscher See, benannt nach einem Dorf, das heute niemand mehr sicher verorten kann. Der See liegt südöstlich von Sternberg zwischen Dabel, Hohen Pritz und Borkow. Die Suche nach Nepersmühlen führt nach Schlowe am Nordostufer, nach Kukuk am Südwestufer und nach Ruest, einem Ortsteil von Mestlin westlich des Sees.
Newopers Mühle und das Kloster
In Urkunden erscheint Nepersmühlen als Newopperesmolen, Newopersmolen, Neupersmolen, Nepersmolen und 1339 als Nepermolen. Der Name führt wohl zu Newoper, einem wendischen Edlen, und bedeutete schlicht Newopers Mühle. Damit reicht der Name in die slawische Vergangenheit der Gegend zurück.
1280 wird Nepersmühlen mit Mühle und Krug genannt. Der Besitz ging damals an das Kloster Sonnenkamp bei Neukloster. 1283 bestätigte Fürstin Anastasia von Mecklenburg dem Kloster das Dorf, die Mühle, Fischereirechte auf dem angrenzenden See und den Teich Borkow. 1306 verlieh Fürst Heinrich von Mecklenburg den Nonnen von Sonnenkamp den ganzen See zu Neupersmolen mit allen Rechten, einschließlich des Patronatsrechts der Kirche im Dorf und der Filiale zu Dabel. Noch im selben Jahr musste wegen der Fischerei zwischen dem Kloster und Gerhard von Cramon auf Klein Pritz vermittelt werden.
Gütertausch und Niedergang
1583 wechselte Nepersmühlen erneut die Zugehörigkeit. Herzog Ulrich von Mecklenburg und das Kloster Dobbertin vereinbarten einen Gütertausch. Dobbertin erhielt unter anderem Schlowe mit dem See, Neperdmühlen, den halben Holzendorfer See und Patronatsrechte an der Kirche zu Dabel. Der Herzog bekam dafür Matersen, heute ein Ortsteil der Gemeinde Satow südwestlich von Rostock.
Danach tritt Nepersmühlen als Dorf kaum noch hervor. In späteren Akten geht es vor allem um den See, um Pacht und Fischerei. Zwischen 1662 und 1686 finden sich Hinweise zur Fischerei auf dem Nepersmühler See, um 1772 auch Beschwerden über Beeinträchtigungen. 1803 durfte das Kloster Dobbertin seinen Anteil am Nepermühlenschen See verkaufen, da der Fischereipachtvertrag offenbar keinen Gewinn mehr brachte. In den Akten steht, das Kloster besitze am See nicht einmal genug Land, damit der Fischer seine Netze ausbreiten und trocknen könne. 1805 ging der Anteil an Klein Pritz.
Drei Spuren rund um den See
Eine ältere Übersicht untergegangener Dörfer Mecklenburg-Schwerins verortet Nepersmühlen „am Ausfluß des Nepersmühlschen Sees nach Borkow zu“. Damit kommt die Gegend bei Schlowe in Betracht, wo der Schlower Bach bis heute der regulierte Abfluss des Kleinpritzer Sees ist.
Eine zweite Spur führt nach Kukuk am Südwestufer nahe Hohen Pritz. In Forschungen zum mittelalterlichen „Land Sternberg“ wird der heutige Bereich von Kukuk mit Newoppersmohlen verbunden. Die Gegend war früh besiedelt: Auf der Insel Schulzenwerder wurden Hölzer gefunden, die zwischen 969 und 1002 datiert wurden. Auch der Burgwall auf dem Werder, die sogenannte Schwedenschanze, gehört in diese ältere Siedlungslandschaft.
Die dritte Spur liegt bei Ruest westlich des Sees in der Nähe von Mestlin. Südlich des Ruester Krugs befindet sich das Glockenmoor, daneben lag eine alte Dorfstätte, im Volksmund „de Dörp-Städ“ genannt. Beim Pflügen kamen Mauerbruch, Ziegelschutt und Steinreste an die Oberfläche. Im 19. Jahrhundert erinnerten sich Einwohner noch an Mauerreste und Dämme.
Münzschatz und Sage
Am 15. Oktober 1849 kam dort ein zinnernes Gefäß in Form eines Bierkrugs aus dem Acker. Darin lagen 1221 Silbermünzen aus dem 14. Jahrhundert. Die Untersuchung ergab: Der Schatz wurde wohl vor 1403 vergraben. Jemand versteckte dort erheblichen Wert und kehrte nicht zurück.
Zum Glockenmoor gehört eine alte Überlieferung: Die Glocken einer untergegangenen Kirche sollen dort versunken sein. Im 19. Jahrhundert erzählten Rüster Einwohner noch davon; eine Bauernwitwe berichtete, ihr Großvater habe als Kind am Moor Glocken über dem Wasser gesehen. Für die Ortsbestimmung reicht das nicht, aber die Sage hält fest, dass die Erinnerung an eine verschwundene Kirche oder Dorfstelle am Glockenmoor lange lebendig blieb.
Der Bericht zum Münzfund setzte die Dorfstätte am Glockenmoor mit Nepersmühlen gleich. Die Begründung lag nahe: eine wüste Dorfstelle, Mauerreste, ein großer Münzfund, eine Glockensage und der alte Name des nahen Sees. Neuere Darstellungen zu Ruest sind vorsichtiger und bezweifeln, dass die Dörp-Städ am Glockenmoor sicher Nepersmühlen war. Möglich ist auch eine andere wüst gefallene Siedlung, deren Name verlorenging. Der Münzschatz beweist eine alte Nutzung des Platzes, aber nicht den Namen des Dorfes.
Der Kleinpritzer See ist heute ein bekanntes Ausflugsziel in der Sternberger Seenlandschaft. Die Ufer sind weitgehend bewaldet, das Wasser gilt als sauber, es gibt Badestellen und Campingplätze. In Schlowe besteht seit DDR-Zeiten ein großer Ferienplatz. Auch Angler kennen den See: Hecht, Barsch, Aal, Maräne und Wels kommen dort vor; 2013 wurde ein 1,74 Meter langer Wels gefangen, der lange als größter Fisch in Mecklenburg-Vorpommern galt.
Nepersmühlen bleibt ein ungeklärtes Stück Ortsgeschichte. Für Schlowe spricht der Hinweis auf den Ausfluss nach Borkow. Für Kukuk sprechen Lage und alte Siedlungsspuren am Südwestufer. Für Ruest sprechen Dorfstätte, Glockenmoor und Münzfund. Sicher ist nur: Es gab diesen Ort, er hatte Mühle, Krug, Kirche und Fischereirechte, und sein Name lebte am See weiter. Verschwunden ist Nepersmühlen, aber nicht spurlos.