Chris Hogrefe, ein IT-Spezialist aus Heidesee, hat den neunjährigen Ben zum ersten Mal persönlich getroffen. Hogrefe hatte nach einem schweren Böllerunfall eine Spendenaktion für Ben ins Leben gerufen und dabei mehr als 60.000 Euro gesammelt. Gemeinsam mit seiner Familie besuchte er in der Nähe von Ludwigslust Carmen Brosius, die Mutter von Ben. Bei dem Treffen übergab Hogrefe die ersten Spenden.
Ein Wochenende voller Gespräche
Die Familien standen zuvor nur telefonisch in Kontakt. Am vergangenen Wochenende trafen sie sich nun erstmals persönlich. „Wir wurden sehr herzlich empfangen. Es war ein schönes Wochenende. Wir haben viele emotionale, auch lange Gespräche geführt“, erzählt Chris Hogrefe. Sie sprachen über die vergangenen Monate, die von Arztbesuchen, Krankenhaus- und Reha-Aufenthalten geprägt waren, sowie über die Zukunft: wie es weitergeht, welche Termine anstehen und wie sich Ben in den Alltag zurückkämpft.
Neue Schule und Prothesen
Ben wird aufgrund seiner Einschränkungen nicht mehr in seine bisherige Schule gehen können. Er wird künftig das Mecklenburgische Förderzentrum für körperlich beeinträchtigte Kinder in Schwerin besuchen. „Mit einem Fahrdienst, der die Kinder in der Region, darunter viele Rollstuhlkinder, morgens einsammelt und mittags zurückbringt, ist der Transport gesichert“, erklärt Carmen Brosius.
Für Ben fertigten Fachleute eine Prothese an, mit der er gut zurechtkommt. „Er bekam auch Glasaugen. Ben erzählte mir, dass er sich damit sehr wohlfühlt, weil er nicht mehr so auffällt und angestarrt wird. Doch weitere Operationen stehen an, unter anderem am Augenlid und an den Ohren.“ Bens Mutter ergänzt: „Eine zweite Prothese ist gerade in Arbeit. Der Prothesentechniker erklärte uns, dass viele Amputierte auf beiden Seiten Prothesen tragen. Das sei wirklich nur eine Gewöhnungssache“. Sobald die Prothese fertig ist, fährt Ben noch einmal zur Reha und trainiert dort intensiv mit beiden Prothesen.
Freundschaft und Gerüchte
Chris Hogrefe will den Kontakt zur Familie halten. „Wir werden uns definitiv wiedersehen und den Kontakt auch außerhalb der Spendenaktion aufrechterhalten. Zu Carmen ist eine super Freundschaft entstanden, die wir weiter ausbauen und vertiefen wollen.“ Er informierte die mehr als 1600 Spender regelmäßig über Bens Fortschritte.
Am Wochenende erfuhr Hogrefe von Gerüchten im Ort über den Verbleib der Spendengelder. „Man erzählt, Carmen habe sich von diesem Geld ein neues Auto gekauft.“ Hogrefe stellt klar: Dieses Auto gehört ihrem Lebenspartner. „Ich kann nur sagen: Wir haben jeden Euro ausschließlich für die Unterstützung von Ben und seiner Familie eingesetzt. Bitte unterlasst Gerüchte und andere Spekulationen. Wer Fragen hat, kann sich jederzeit persönlich an mich wenden oder einfach bei Carmen vorbeischauen, sehen, wie es ihr geht und das Gespräch mit ihr suchen.“
Ben genießt derweil seine Ferien zu Hause mit seinen Geschwistern und unternimmt Ausflüge, etwa in den Elefantenpark. Demnächst bekommt er ein spezielles Fahrrad. Auch das neue Fahrrad, das Maria von den Spendengeldern versprochen wurde, kauft die Familie im Zweiradhaus Winkelmann in Ludwigslust bei Jacqueline Frey. Chris Hogrefe dankt den vielen Spendern und Unterstützern: „Damit hätte ich niemals gerechnet.“ Besonders bedanken möchte er sich bei Vanessa Krüger von Sternauto, die sich der Autoproblematik von Carmen Brosius annahm, weil das Fahrzeug keinen TÜV hatte. „Sie übernahmen die komplette Inspektion; leider bekam das Auto dann aber doch keinen TÜV mehr.“