Die Elbestadt Dömitz hat am Donnerstag mit der Einweihung einer Plakette an die Zwangsaussiedlungen während der DDR-Grenzzeit erinnert. Unter dem Titel „Geraubte Heimat – Erinnerung an die Zwangsaussiedlungen in Dömitz“ wurde der Ereignisse von 1952 und 1961 gedacht, von denen mehr als 300 Menschen betroffen waren. Die Gedenktafel wurde vorläufig an der Johanneskirche am Slüterplatz angebracht; der endgültige Gedenkstein muss noch geschaffen werden.
Reden und Zeitzeugengespräche an der Johanneskirche
Bei der Veranstaltung sprachen Simone Benke-Saathoff von der evangelisch-lutherischen Johanneskirchengemeinde, Inge Bennewitz von der Aufarbeitungsinitiative Zwangsaussiedlungen und Vorstandsmitglied der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft, Dr. Anna Kaminsky von der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie Dr. Lars Tschirschwitz, stellvertretender Landesbeauftragter für M-V für die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Danach berichteten Bennewitz und weitere Zeitzeugen im Gespräch mit Schülern des Gymnasialen Schulzentrums „Fritz Reuter“ Dömitz über ihre Erfahrungen mit den Zwangsaussiedlungen. Mit einer Schweigeminute und Blumen wurde der Opfer an der neuen Gedenktafel gedacht.
Erinnerung an ein fast vergessenes Kapitel
Für die Stadt Dömitz sprach Torsten Scheper, der erste stellvertretende Bürgermeister. Er betonte, wie wichtig es sei, diese Zeit vor allem jungen Menschen nahezubringen, damit dieser Teil der Geschichte nicht in Vergessenheit gerate. Bisher war über Zwangsaussiedlungen fast nur im Zusammenhang mit geschleiften Ortschaften die Rede, wie es sie auch im Elbbereich gab. Dazu existiert eine Gedenkstätte im Marschhufendorf Popelau im Amt Neuhaus. Die Gedenkaktion in Dömitz zeigt nun eine weitere Facette der Aussiedlungen, die unter anderem unter dem Codenamen „Ungeziefer“ liefen. Zwangsumsiedlungen gab es nicht nur als große Aktionen: Die Bevölkerung direkt an der Grenze wurde in den Jahrzehnten ständig auf ihre Zuverlässigkeit zum DDR-System geprüft. Wer dauerhaft auffiel und sich nicht an Regeln hielt, musste immer damit rechnen, ausgewiesen zu werden.
Dömitz als streng gesicherter Grenzort
Dömitz war in Mecklenburg einer der am meisten beachteten Schwerpunkte im Geschehen an der innerdeutschen Grenze. Das lag an der direkten Nähe von Teilen der Stadt zu den Elbdeichen und den Sperranlagen sowie an den Resten der beiden im Krieg zerstörten Elbbrücken. Die Stadt wurde sehr früh von zwei Zaunsystemen gesichert und war stark von den Grenztruppen geprägt. In den 1980er Jahren war Dömitz Standort einer Grenzkompanie, zweier Bataillonsstäbe und einer medizinischen Einrichtung. Auch das Umfeld in Richtung Wootz und Rüterberg war extrem streng gesichert, hinzu kam eine Bootskompanie mit Schnellbooten auf der Elbe. Formal war die Stadt für Besucher nicht gesperrt, doch jeder Stadtfremde wurde bei der Anreise oder in der Stadt selbst von der Polizei gründlich kontrolliert.