Der Kleinpritzer See trug auf alten Karten den Namen „Nepersmühlenscher See“ – benannt nach einem Dorf, das heute niemand mehr sicher verorten kann. Der See liegt südöstlich von Sternberg, zwischen Dabel, Hohen Pritz und Borkow. Die Suche nach Nepersmühlen führt nach Schlowe am Nordostufer, nach Kukuk am Südwestufer und nach Ruest, einem Ortsteil von Mestlin westlich des Sees.
Ein Name aus der Slawenzeit
In Urkunden erscheint Nepersmühlen als Newopperesmolen, Newopersmolen, Neupersmolen, Nepersmolen und 1339 als Nepermolen. Der Name führt wohl zu Newoper, einem wendischen Edlen. Gemeint war schlicht: Newopers Mühle. Daraus wurde später Nepersmühlen. Damit reicht der Name in die slawische Vergangenheit der Gegend zurück.
Später geriet der Ort in den Besitz geistlicher Grundherren. Genau diese Klosterakten sorgen dafür, dass Nepersmühlen überhaupt noch fassbar ist.
Vom Kloster Sonnenkamp zum Kloster Dobbertin
1280 wird Nepersmühlen mit Mühle und Krug genannt. Der Besitz ging damals an das Kloster Sonnenkamp bei Neukloster. 1283 bestätigte Fürstin Anastasia von Mecklenburg dem Kloster das Dorf, die Mühle, Fischereirechte auf dem angrenzenden See und den Teich Borkow. 1306 verlieh Fürst Heinrich von Mecklenburg den Nonnen von Sonnenkamp den ganzen See zu Neupersmolen mit allen Rechten. Auch das Patronatsrecht der Kirche im Dorf und der Filiale zu Dabel gehörte dazu. Noch im selben Jahr musste wegen der Fischerei zwischen dem Kloster und Gerhard von Cramon auf Klein Pritz vermittelt werden.
1583 wechselte Nepersmühlen erneut die Zugehörigkeit. Herzog Ulrich von Mecklenburg und das Kloster Dobbertin vereinbarten einen Gütertausch. Dobbertin erhielt unter anderem Schlowe mit dem See, Neperdmühlen, den halben Holzendorfer See und Patronatsrechte an der Kirche zu Dabel. Der Herzog bekam dafür Matersen, heute ein Ortsteil der Gemeinde Satow südwestlich von Rostock.
Niedergang und Verfall
Danach tritt Nepersmühlen als Dorf kaum noch hervor. In späteren Akten geht es vor allem um den See, um Pacht und Fischerei. Zwischen 1662 und 1686 finden sich Hinweise zur Fischerei auf dem Nepersmühler See, um 1772 auch Beschwerden über Beeinträchtigungen. 1803 durfte das Kloster Dobbertin seinen Anteil am Nepermühlenschen See verkaufen. Der Fischereipachtvertrag brachte offenbar keinen Gewinn mehr. In den Akten steht, das Kloster besitze am See nicht einmal genug Land, damit der Fischer seine Netze ausbreiten und trocknen könne. 1805 ging der Anteil an Klein Pritz.
Diese Notiz fasst den Niedergang des alten Besitzes fast nebenbei zusammen. Vom einstigen Dorf mit Mühle, Krug, Kirche und Fischerei blieb ein schwer nutzbarer Anteil am See. Der Name war noch da, der Ort nicht mehr.
Drei Spuren rund um den See
Eine ältere Übersicht untergegangener Dörfer Mecklenburg-Schwerins verortet Nepersmühlen „am Ausfluß des Nepersmühlschen Sees nach Borkow zu“. Damit kommt die Gegend bei Schlowe in Betracht. Der Schlower Bach ist bis heute der regulierte Abfluss des Kleinpritzer Sees.
Eine zweite Spur führt nach Kukuk am Südwestufer, nahe Hohen Pritz. In Forschungen zum mittelalterlichen „Land Sternberg“ wird der heutige Bereich von Kukuk mit Newoppersmohlen verbunden. Die Gegend war früh besiedelt: Auf der Insel Schulzenwerder wurden Hölzer gefunden, die zwischen 969 und 1002 datiert wurden. Auch der Burgwall auf dem Werder, die sogenannte Schwedenschanze, gehört in diese ältere Siedlungslandschaft.
Die dritte Spur liegt bei Ruest, westlich des Sees in der Nähe von Mestlin. Südlich des Ruester Krugs befindet sich das Glockenmoor. Daneben lag eine alte Dorfstätte, im Volksmund „de Dörp-Städ“ genannt. Beim Pflügen kamen Mauerbruch, Ziegelschutt und Steinreste an die Oberfläche. Im 19. Jahrhundert erinnerten sich Einwohner noch an Mauerreste und Dämme.
Münzschatz und Glockensage
Am 15. Oktober 1849 kam dort ein zinnernes Gefäß in Form eines Bierkrugs aus dem Acker. Darin lagen 1221 Silbermünzen aus dem 14. Jahrhundert. Die Untersuchung ergab: Der Schatz wurde wohl vor 1403 vergraben. Jemand versteckte dort erheblichen Wert und kehrte nicht zurück.
Zum Glockenmoor gehört eine alte Überlieferung: Die Glocken einer untergegangenen Kirche sollen dort versunken sein. Im 19. Jahrhundert erzählten Rüster Einwohner noch davon; eine Bauernwitwe berichtete, ihr Großvater habe als Kind am Moor Glocken über dem Wasser gesehen. Für die Ortsbestimmung reicht das nicht. Die Sage belegt keinen Namen. Sie hält aber fest, dass die Erinnerung an eine verschwundene Kirche oder Dorfstelle am Glockenmoor lange lebendig blieb.
Warum die Zuordnung offen bleibt
Der Bericht zum Münzfund setzte die Dorfstätte am Glockenmoor mit Nepersmühlen gleich. Die Begründung lag nahe: eine wüste Dorfstelle, Mauerreste, ein großer Münzfund, eine Glockensage und der alte Name des nahen Sees. Neuere Darstellungen zu Ruest sind vorsichtiger. Dort wird bezweifelt, dass die Dörp-Städ am Glockenmoor sicher Nepersmühlen war. Möglich ist auch eine andere wüst gefallene Siedlung, deren Name verlorenging. Der Münzschatz beweist eine alte Nutzung des Platzes, aber nicht den Namen des Dorfes.
Der Kleinpritzer See ist heute ein bekanntes Ausflugsziel in der Sternberger Seenlandschaft. Die Ufer sind weitgehend bewaldet, das Wasser gilt als sauber, es gibt Badestellen und Campingplätze. In Schlowe besteht seit DDR-Zeiten ein großer Ferienplatz. Auch Angler kennen den See: Hecht, Barsch, Aal, Maräne und Wels kommen dort vor; 2013 wurde ein 1,74 Meter langer Wels gefangen, der lange als größter Fisch in Mecklenburg-Vorpommern galt.
Nepersmühlen bleibt ein ungeklärtes Stück Ortsgeschichte. Für Schlowe spricht der Hinweis auf den Ausfluss nach Borkow. Für Kukuk sprechen Lage und alte Siedlungsspuren am Südwestufer. Für Ruest sprechen Dorfstätte, Glockenmoor und Münzfund. Sicher ist nur: Es gab diesen Ort, er hatte Mühle, Krug, Kirche und Fischereirechte, und sein Name lebte am See weiter. Verschwunden ist Nepersmühlen, aber nicht spurlos.