Der Kreis Hagenow existiert seit 1994 offiziell nicht mehr, doch in vielen Herzen und im Hagenower Kreisblatt gelten die Grenzen des Altkreises weiterhin. Die Region zwischen Wittenburg, Zarrentin, Boizenburg, Lübtheen und Hagenow bietet zahlreiche Facetten, und mit dem Amt Neuhaus lässt sich immer wieder ein Blick ins Nachbarland Niedersachsen werfen.
Vom größten Kreis der DDR zum heutigen Landkreis
Von 1952 bis 1994 bestand der Kreis Hagenow und war der größte Kreis der DDR. Er gehörte zum Bezirk Schwerin und ab 1990 noch vier Jahre als Landkreis zu Mecklenburg-Vorpommern. 1994 ging er durch die Kreisgebietsreform im damaligen Landkreis Ludwigslust auf, der 2012 mit dem Landkreis Parchim zum heutigen Ludwigslust-Parchim zusammengeschlossen wurde.
Besonders präsent bleibt der Kreis im Amt Neuhaus, das bis 1993 zu ihm gehörte. Die Gegend entlang der Elbe war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Teil Niedersachsens und wurde dann von den Engländern an die Sowjetarmee abgegeben. Trotz der Rückgliederung nach Niedersachsen bestehen weiterhin enge Verbindungen nach Mecklenburg-Vorpommern.
Lübtheen: Von Bergbaustadt zur Wolfregion
Lübtheen war einst durch sein Kalibergwerk als Kurort und Bergbaustadt bekannt. Heute ist die Stadt vor allem durch die ersten Wolfsichtungen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz und den Waldbrand 2019 bekannt. Die Bekämpfung führte zu Landesprogrammen für neue Feuerwehrfahrzeuge und -gerätehäuser. Zudem werden hier einzigartige Kühltrailer hergestellt, die weltweit unterwegs sind.
Wie die scheidende Bürgermeisterin Ute Lindenau sagte, ist Lübtheen „Arm aber Sexy“ und hält damit jedem Vergleich mit Metropolen wie Berlin stand.
Zarrentin und Boizenburg: Geschichte und Gegenwart
Zarrentin durfte zu DDR-Zeiten nur mit Passierschein besucht werden, was bei Fußballturnieren dazu führte, dass nur drei gegnerische Spieler zum Platz des Empor Zarrentin durchgelassen wurden. Heute bietet die Stadt mit dem Schaalsee eine beeindruckende Naturkulisse und ein saniertes Kloster mit Kulturprogramm. Zarrentin hat als eine der wenigen Städte mit mehr als 5000 Einwohnern einen ehrenamtlichen Bürgermeister und keine AfD-Vertreter in der Stadtvertretung. Große Unternehmen wie Block-Menü oder Jysk sind hier angesiedelt.
Boizenburg wurde vor allem durch das Elbe-Hochwasser 2002 bekannt und nimmt beim Hochwasserschutz eine Vorreiterrolle ein. Aktuell wird ein ganzer Deich verlegt und ein Sperrwerk neu gebaut. Die Stadt war zu DDR-Zeiten ein Werft-Standort, und dank der Fliesenwerke verfügt sie heute über das Erste deutsche Fliesenmuseum.
Wittenburg: Pizzastadt mit Mühlengeschichte
Wittenburg ist mit 800 Jahren seit der Verleihung der Stadtrechte wahrscheinlich die älteste Stadt im Altkreis Hagenow. Die Stadt liegt an der Autobahn und beherbergt zahlreiche Unternehmen, darunter Dr. Oetker, das täglich mehr als eine Million Pizzen in alle Welt schickt. Die Erdholländermühle verleiht der Stadt den Beinamen „Mühlenstadt“, und das Mehlwelten-Museum zeigt alles Wissenswerte rund um das Thema Mehl.
In Hagenow selbst sind die Kulturschaffenden vernetzt und organisieren regelmäßige Veranstaltungen, viele davon im früheren Tanzsaal des Hotels Mecklenburger Hof. Die jüdische Geschichte Westmecklenburgs wird hier in einer Dauerausstellung präsentiert. Zudem ist Hagenow Modellregion für Digitalisierung und hat eines der ersten „grünen“ energieeffizienten Gewerbegebiete Mecklenburg-Vorpommerns.