Social-Media-Wahlkampf in MV: AfD führt bei Followern, Strategie fehlt
Social-Media-Wahlkampf: AfD vorn, Strategie fehlt

Im Landtagswahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern setzen alle größeren Parteien auf Social Media. Eine Umfrage von NDR MV zeigt: Die AfD hat mit Abstand die meisten Follower, doch Experten vermissen oft eine klare Strategie.

AfD führt bei Followerzahlen

NDR MV hat die Landesverbände von AfD, SPD, CDU, Grünen, Linken und BSW befragt. Alle haben eigene Teams oder Mitarbeitende für Social Media. Rechnet man die Follower auf Instagram, TikTok und Facebook zusammen, kommt die AfD auf knapp 92.000. Danach folgen die Linke mit rund 17.600 und die SPD mit etwa 14.000. Dahinter liegen Grüne, CDU und BSW.

Die Accounts einzelner Politikerinnen und Politiker wurden nicht mitgerechnet. Zudem können Nutzer einer Partei auf mehreren Plattformen folgen und damit mehrfach in der Summe auftauchen.

Wenig Professionalität bei Partei-Accounts

Der Rostocker Politikwissenschaftler Jan Müller sieht bei den meisten Partei-Accounts wenig Professionalität. Mit Studierenden hat er die Auftritte analysiert. Die Reaktionen seien teilweise „erschrocken bis belustigt“ gewesen. „Man nutzt das als digitale Litfasssäule. Es wird halt gesagt, wir sind hier, das machen wir, ich habe jetzt mir diesen Betrieb mal angeschaut“, sagt Müller. „Eine richtige Kampagne und Strategie ist da kaum zu erkennen.“

Viele Posts begleiteten vor allem das, was ohnehin im Wahlkampf passiert. Für eine echte Strategie müsse klar sein, wen eine Partei erreichen und welche Themen sie in den Mittelpunkt stellen wolle.

Was auf Social Media funktioniert

Die Parteien konkurrieren im Internet nicht nur miteinander, sondern auch mit Influencern, Werbung oder Comedy. Wer erfolgreich sein wolle, müsse den Logiken der Plattformen folgen, sagt Medienwissenschaftlerin Charmaine Voigt von der Universität Rostock. Wie die Plattformen entscheiden, welche Inhalte besonders sichtbar werden, legen sie nicht offen. Voigt sagt aber: Wer auffallen will, braucht Inhalte, die schnell erfassbar, visuell stark oder unterhaltend sind. Auch Personalisierung und Überspitzung spielten eine wichtige Rolle.

Social Media richte sich längst nicht mehr nur an junge Menschen, gerade mit Blick auf Instagram und Facebook. „Mittlerweile sind alle Altersgruppen auf Social Media vertreten“, sagt Voigt.

Follower bedeuten nicht automatisch Stimmen

Aus hohen Followerzahlen lasse sich laut Müller nicht ableiten, wie viele Menschen eine Partei am Ende wählen. Er sagt zudem, dass die Parteien mit ihren eigenen Angeboten auf Social Media „gar nicht so viele Leute erreichen“. Eine Wahlentscheidung entstehe aus vielen Faktoren: aktuellen Themen, Spitzenpersonal, klassischen Medien, Wahlwerbung, persönlichen Gesprächen oder Veranstaltungen. Social Media sei „wirklich nur ein kleiner Baustein“, so Müller.

Voigt: Möglichst unterschiedliche Quellen nutzen

Was im eigenen Feed auftaucht, beeinflussen Nutzerinnen und Nutzer am Ende auch selbst. „Wir [sind] unsere eigenen Algorithmentrainer“, sagt Voigt. Mit jeder Aktion bestimme man mit, was angezeigt werde. Ihr Rat: vielfältigen Accounts folgen und Informationen aus unterschiedlichen Perspektiven und Quellen ansehen.