Umfrage: Elf Prozent der Firmen in der Seenplatte erwägen Schließung
Umfrage: Elf Prozent der Firmen erwägen Schließung

Elf Prozent der Unternehmen in der Mecklenburgischen Seenplatte erwägen laut einer Standortumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Neubrandenburg die Schließung ihrer Betriebe. Die Ergebnisse wurden dem Wirtschaftsausschuss des Kreistages vorgestellt. Für die Studie wurden 4000 Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft angeschrieben, rund 400 antworteten.

Bewertung des Standorts Seenplatte

Auf einer Schulnotenskala von 1 bis 5 erhält der Unternehmensstandort Seenplatte die Note 2,6. Die Entwicklung der Standortbedingungen in den vergangenen fünf Jahren bewerten die Betriebe mit 3,0, die erwartete Entwicklung bis 2030 ebenfalls mit 3,0. Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein liegt die Gesamtnote bei 2,3, in der Pfalz bei 2,8 und am Südlichen Oberrhein ebenfalls bei 2,8.

Immerhin 56 Prozent der Betriebe würden ihren Standort einem befreundeten Unternehmer empfehlen. In Neubrandenburg und den Mittelzentren Demmin, Waren und Neustrelitz liegt die Quote bei 62 Prozent.

Zukunftspläne der Unternehmen

58 Prozent der Betriebe planen in den kommenden fünf Jahren keine Veränderung. 14 Prozent bereiten eine Unternehmensübergabe vor, elf Prozent erwägen eine Schließung, fünf Prozent eine Verkleinerung. Neun Prozent der Firmen planen eine Erweiterung am gegenwärtigen Standort.

In der Industrie sind Expansionspläne überdurchschnittlich häufig: 29 Prozent planen eine Erweiterung, zehn Prozent eine neue Betriebsstätte in der Seenplatte. Im Handel ist die Übergabequote mit 20 Prozent hoch, die Schließungsneigung liegt bei 14 Prozent. Im Gastgewerbe geben zehn Prozent der Firmen an, sich verkleinern zu wollen, 18 Prozent planen Schließungen.

Größte Lücken bei Standortfaktoren

Die IHK-Volkswirtin Dorothea Lucke, die maßgeblich mit der Erstellung und Auswertung der Studie beschäftigt war, sieht Handlungsbedarf, wenn Faktoren als wichtig bewertet werden, die Zufriedenheit aber vergleichsweise niedrig ist. Die größten Lücken zeigen sich bei der Gewerbesteuer, der Gesundheitsversorgung, der Mobilfunk-Leistungsfähigkeit, der Grundsteuer, dem Tempo des Breitbandausbaus sowie den kommunalen Abgaben und Gebühren. Auch bei Schulangeboten, der Dauer von Genehmigungsverfahren, der Servicequalität der kommunalen Verwaltungen und dem Fachkräfteangebot gebe es Diskrepanzen.

Die Umfrage nennt sechs Bereiche, in denen der Landkreis Einfluss auf die Standortqualität nehmen könnte. Wichtig seien koordinierte Anstrengungen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung, ein weiterer Breitband-Ausbau, möglichst ein Verzicht auf weitere kommunale Abgaben und Gebühren sowie schnelle Genehmigungsverfahren. Außerdem müssten die Schulstandorte, auch im Bereich der Berufsausbildung, wohnortnah erhalten werden. Eine weitere Unterstützung bei der Schülerbeförderung sei wünschenswert. Als sechster Punkt werden nachvollziehbare und verlässliche Entscheidungen der kommunalen Verwaltungen genannt. Die Firmen wünschen sich, dass Spielräume genutzt und Online-Möglichkeiten für Anträge ausgebaut werden.