Weiße Hemden mit Aufschrift „Das letzte Hemd“ hängen in Plate, Kirch Stück und Schwerin
Weiße Hemden mit „Das letzte Hemd“ in MV

In Plate, Kirch Stück und Schwerin hängen weiße T-Shirts mit der Aufschrift „Das letzte Hemd“ an Ortseingangsschildern. Die Polizei kennt die Aktion, doch wer dahintersteckt, ist bislang offen. Eine strafrechtliche Relevanz sieht die Polizei derzeit nicht.

Stille Protestaktion an Ortsschildern

Es ist ein eigenartiges Wiedersehen am Ortsschild. Vor gut zwei Jahren baumelten hier Gummistiefel im Wind. Ein Paar über dem gelben Schild, manchmal mit einem Kreuz darauf. Die Botschaft dahinter war damals schnell erklärt: Wenn immer mehr Bauern ihre Höfe aufgeben müssen, hängen irgendwann auch die Stiefel am Nagel. Eine stille Warnung vor dem Höfesterben und ein Protest gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Die Aktion war bundesweit zu sehen.

Jetzt ist wieder etwas an die Ortsschilder zurückgekehrt. Nur sind es dieses Mal keine Stiefel. In Plate, Kirch Stück und Schwerin hängen weiße T-Shirts mit einer schlichten Aufschrift: „Das letzte Hemd“. Kein Parteizeichen, kein Logo, kein Name. Nur drei Wörter, die im Wind flattern und ziemlich viel Raum für Interpretation lassen.

Was das Sprichwort bedeutet

Das Motiv ist dabei nicht völlig neu. Schon die Gummistiefel zeigten, wie wirkungsvoll ein scheinbar alltäglicher Gegenstand als Protestbotschaft sein kann. Damals standen die Schuhe sinnbildlich für Landwirte, die ihren Beruf an den Nagel hängen könnten. Die Hemden gehen nun einen Schritt weiter, oder zumindest näher an den eigenen Körper. Denn wer sein „letztes Hemd“ hergeben muss, hat nichts mehr übrig.

„Das letzte Hemd hat keine Taschen“, lautet eine alte Redewendung. Gemeint ist: Was auch immer ein Mensch im Leben besitzt, am Ende kann er nichts davon mitnehmen. „Sein letztes Hemd hergeben“ wiederum bedeutet, alles zu opfern oder das Letzte herzugeben, was man besitzt.

Unbekannter Urheber in Mecklenburg-Vorpommern

Was genau die unbekannten Urheber damit sagen wollen, bleibt in Mecklenburg-Vorpommern allerdings offen. Die Aktion ist bundesweit zu beobachten. Auch in anderen Regionen Deutschlands tauchten die weißen Shirts an Ortseingängen auf. Dort wurden sie teilweise dem rechten politischen Spektrum zugeordnet. Für Mecklenburg-Vorpommern gibt es dafür bislang allerdings keinen belastbaren Beleg.

Denn wer die Hemden in Plate, Kirch Stück und Schwerin aufgehängt hat, ist unbekannt. Bislang hat sich weder eine Organisation noch eine Privatperson öffentlich dazu bekannt. Auch in einschlägigen Social-Media-Gruppen mit Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern findet sich nach bisherigen Recherchen kein Hinweis auf einen Urheber.

Polizei sieht keine Ermittlungen

Die Polizei kennt die Aktion trotzdem. Auch aus dem Raum Güstrow wurden von Beamten bereits Hemden mit der Aufschrift an Ortsschildern gemeldet. Einen strafrechtlich relevanten Sachverhalt sieht die Polizei derzeit nicht. „Der Staatsschutz hat die Aktion im Blick. Es gibt aber aktuell keine Ermittlungen“, sagt Sophie Pawelke, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock auf Nachfrage der Redaktion.

Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Verkehrszeichen müssen grundsätzlich freigehalten werden. Die Polizei werde deshalb prüfen, ob durch die Befestigung der T-Shirts Verkehrszeichen verdeckt oder in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden, erklärt Sophie Pawelke. Einen entsprechenden Hinweis habe es bislang nicht gegeben.

Solange die Hemden keine Verkehrszeichen verdecken, beschädigen oder deren Wirkung beeinträchtigen, sieht die Polizei aktuell keinen strafrechtlich relevanten Verstoß. Auch die Straßenverkehrsordnung setzt hier Grenzen: Einrichtungen dürfen Verkehrszeichen nicht gleichen, mit ihnen verwechselt werden können oder ihre Wirkung beeinträchtigen.

Mögliche Hintergründe und Spur in Schleswig-Holstein

Denn ein weißes T-Shirt kann vieles bedeuten. Es kann ein Protest gegen steigende Preise sein, gegen zu hohe Steuern und Abgaben, gegen die Bundesregierung oder gegen das Gefühl, immer mehr leisten und dafür immer weniger bekommen zu müssen. Es kann eine politische Botschaft sein, oder zunächst einmal nur ein bewusst gesetztes Fragezeichen am Straßenrand.

In Schleswig-Holstein ist die politische Spur inzwischen deutlich geworden. Dort wird die Aktion dem Umfeld von „Schleswig-Holstein steht auf“ zugerechnet. Die Gruppe selbst bezeichnet sich als überparteilich, ihre Forderungen und personellen Verbindungen sind allerdings Gegenstand politischer Einordnungen und Kritik. Für Mecklenburg-Vorpommern gilt dagegen vorerst: Das Hemd hängt und der Absender fehlt.

Und so flattern die weißen T-Shirts weiter im Wind. Eine Botschaft ohne Unterschrift, die gerade deshalb ziemlich viel Raum für Interpretation lässt.