Nach dem ersten Spatenstich für ein neues Polizeigebäude in Gadebusch stellt sich die Frage nach der Zukunft des alten Gebäudes, in dem zu DDR-Zeiten die Volkspolizei ihren Sitz hatte. Wie ein Sprecher des Landkreises Nordwestmecklenburg erklärte, soll mittel- oder langfristig die derzeit temporäre Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende in das alte Polizeirevier an der Fritz-Reuter-Straße ziehen. Aktuell besteht diese Unterkunft aus einem Containerbau.
Hintergrund: Temporäre Unterkunft seit 2025
Seit dem Jahr 2025 gibt es auf dem Gelände des Polizeireviers eine temporäre Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende. Darin leben derzeit 103 Menschen, die vor allem aus Syrien, Afghanistan, der Türkei und dem Irak kommen. Betrieben wird die Einrichtung vom DRK-Kreisverband Nordwestmecklenburg.
Insgesamt gibt es in Nordwestmecklenburg vier Gemeinschaftsunterkünfte: in Gadebusch, Selmsdorf, Wismar und Warin. Davon soll mittel- oder langfristig die temporäre Gemeinschaftsunterkunft in Selmsdorf geschlossen werden. Dort leben aktuell 96 Menschen, in Wismar 269 und in Warin 133 – Stand Juni 2026.
Rückläufige Zahlen, aber volle Auslastung
„Zwar gestaltet sich die Zahl im Vergleich zum Jahr 2023 stark rückläufig, die Gemeinschaftsunterkünfte gelten mit einer Auslastung von über 75 Prozent jedoch weiterhin als voll ausgelastet. Seitens des Innenministeriums MV ist der Landkreis darüber hinaus angehalten worden, die derzeitigen Kapazitäten zur Aufnahme von Asylbewerbern in den Gemeinschaftsunterkünften weiterhin aufrechtzuerhalten“, erklärte Kreis-Pressesprecher Tore Degenkolbe.
Zu den jährlichen Kosten für die Gemeinschaftsunterkünfte heißt es vom Landkreis: „Im Zuge der Haushaltsplanung wurden für 2026 rund 8,6 Millionen Euro für die Gemeinschaftsunterkünfte veranschlagt. Dies beinhaltet unter anderem Miete, Bewachung und Betreuung. Nach aktuellen Einschätzungen wird der Landkreis deutlich unter den Haushaltsansätzen bleiben.“
Sanierung frühestens ab 2030
Gadebuschs Bürgermeister Arne Schlien (CDU) geht davon aus, dass die Sanierung und der Umbau des alten Polizeigebäudes zur Gemeinschaftsunterkunft frühestens ab 2030 beginnen könnte. Der derzeitige Containerbau mit einer maximalen Kapazität von 150 Plätzen war im Jahr 2025 bezogen worden.
Das Stadtoberhaupt sieht die Integration der geflüchteten Menschen in Gadebusch auf einem guten Weg – auch dank der Unterstützung durch die Kirche, des Vereins für Kultur- und Toleranz (KuT) und des Engagements von Privatpersonen. So gebe es etwa ein Sprachcafé, gemeinsame Treffen und eine Unterstützung bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen. Arne Schlien: „Aus meiner Sicht hat das bislang gut geklappt.“
Elf Millionen Euro für den Neubau
Für elf Millionen Euro entsteht in den nächsten drei Jahren an der Ratzeburger Chaussee ein neues Polizeigebäude. Bürgermeister Arne Schlien bezeichnet diese Investition als ein Bekenntnis zum Standort Gadebusch. Der Neubau wird über eine Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage sowie energieeffiziente Gebäudetechnik für einen wirtschaftlichen und klimafreundlichen Betrieb verfügen. Das Gebäude unterschreitet zudem die gesetzlichen Anforderungen an den Primärenergiebedarf deutlich.
Mit Blick auf das Dienstgebäude aus DDR-Zeiten sagte Innenminister Christian Pegel (SPD) beim Spatenstich: „Wir muten den Kollegen da Bedingungen zu, die jederzeit einen 1960er-Jahre-Film zulassen würden, ohne dass Requisiteure benötigt werden.“
Bis zur Fertigstellung der neuen Polizeidienststelle wird das Objekt in der Fritz-Reuter-Straße weiterhin von der Polizei genutzt. „Anschließend werden zunächst mögliche landeseigene Nachnutzungsbedarfe geprüft. Sollte kein weiterer Landesbedarf festgestellt werden, kommt eine Veräußerung der Liegenschaft in Betracht. Üblicherweise sind dafür die Kommune und der Landkreis erste Ansprechpartner“, teilte eine Sprecherin des Finanzministeriums MV auf Anfrage mit.