Exotengarten in Herren Steinfeld: Palmen und Feigen trotzen dem Norden
Exotengarten in Herren Steinfeld: Palmen und Feigen

In Herren Steinfeld, nördlich von Schwerin gelegen, hat Stephan Manthei einen Garten geschaffen, der auf den ersten Blick an Mallorca oder Gran Canaria erinnert. Eine Kanarische Dattelpalme thront auf der Terrasse, ein Feigenbaum trägt süße Früchte, und im Garten wachsen eine chilenische Honigpalme, Pawpaws, Nashi-Birnen und Kakis. Schon im Vorgarten fällt eine rote Zierbanane ins Auge, deren Blätter an Bastelpapier erinnern. Zierbananen stammen ursprünglich aus Äthiopien, wo ihre Knollen als Grundnahrungsmittel dienen.

Ein Hobby begann vor 14 Jahren

Der 58-jährige gebürtige Parchimer und Verwaltungsbeamte begann vor 14 Jahren mit seinem Palmen- und Exotengarten. Den Anstoß gab eine große Kanarische Dattelpalme bei seinen Eltern in Parchim. Auf die Frage an den Nachbarn, wie dieser das geschafft habe, lautete die Antwort: „Ach, das ist easy-peasy.“ Manthei war skeptisch: „Na, dachte ich bei mir, ganz einfach kann’s ja nicht sein, sonst hätte jeder so ein Ding stehen. Von da an war ich infiziert.“

Anfangs investierte er viel Geld in exotische Gewächse aus mediterranen Ländern, die jedoch nicht anwachsen wollten. Heute gedeihen vor allem Sorten, die gezielt für kältere Regionen gezüchtet wurden. Auf der Krim wurde jahrzehntelang an frostharten Zitrusfrüchten und Kakis geforscht, um sich von Südimporten unabhängig zu machen.

25 Palmenarten und selbstfruchtende Feigen

In seinem Garten wachsen 25 besondere Palmenarten aus allen Kontinenten. Manthei möchte beweisen, dass exotische Pflanzen auch im Norden mit minimalem Aufwand gedeihen können – gerade in Zeiten von Klimawandel und Trockenperioden. Besonders viele Feigenbäume hat er angepflanzt. „Da bin ich nicht der Einzige. Es gibt in Ostdeutschland eine große Fan-Gemeinde“, erzählt er. „Die Leute tauschen übers Internet Stecklinge und Pflanzen. Gute Erfahrungen habe ich auch mit dem Bio Feigenhof in Wien gemacht. Dort gibt es zig Sorten.“

Für Einsteiger empfiehlt er die Sorten „Desert King“ oder „Ali Pascha“, die besonders frosthart, wohlschmeckend und ertragreich sind. „Normalerweise benötigen Feigen die Schlupfwespe, um Früchte zu bilden“, erklärt Manthei. „Diese beiden Sorten sind aber selbst fruchtend. Übrigens: Ich hab’ gehört, die Schlupfwespe ist auf dem Weg zu uns nach Norddeutschland.“

Praxistipps für Palmenliebhaber

Von größeren Palmenexemplaren aus dem Baumarkt rät Manthei ab, da sie ihr Dickenwachstum einstellen und im Garten nicht mehr größer werden. Junge Exemplare können dagegen zu stattlichen Hinguckern werden. Seine Kanarische Dattelpalme kaufte er 2017 für 35 Euro im Baumarkt; heute ist sie fast fünf Meter hoch. Alle Palmen pflanzt er etwas höher, da sie keine dauerhaft nassen Füße mögen.

Im ungewöhnlich kalten Winter verlor die Dattelpalme Blätter. „Nicht so schlimm“, sagt der Pflanzen-Experte. „Die erholt sich wieder. Und noch einen solch harten Winter werde ich in meinem Alter wohl nicht mehr erleben. Die gibt es ja kaum noch.“ Normalerweise schützt er die Palme mit Spanngurten, einem Heizkabel und einer Vlies-Haube, thermostatgesteuert. Im vergangenen Winter fiel das Thermostat aus, was zu gelben Blättern führte.

Weniger frostempfindliche Palmen schützt er nur mit Laub und Decken. Seine Erfahrungen teilt er auf der Facebook-Seite „Exotengarten: Palmen und andere Exoten ausgepflanzt im Garten“, die mehr als 80.000 Follower zählt. Bei der Aktion „Offene Gärten MV“ öffnet er sein Grundstück regelmäßig am zweiten Juni-Wochenende. „Zu mir sind sogar schon volle Reisebusse aus Hamburg gekommen“, erzählt er.

Sein neuestes Projekt ist ein Gewächshaus mit Fußbodenheizung, beheizt mit dem Überschuss der eigenen Solaranlage. Dort will er Ananas-Guaven und Pomelos anbauen. Unterstützt wird er von seiner Frau, die ebenfalls mit der Landwirtschaft aufgewachsen ist. Neben exotischen Pflanzen wachsen auch heimische Gewächse, sodass Mallorca-Feeling mit Mecklenburger Blumenduft harmoniert.