Das Kälbchen Pau-Pau vom Lottihof bei Mühlen Eichsen hat seit Kurzem einen individuell angepassten Rollwagen einer bayerischen Firma. Das Tier leidet unter neurologischen Schäden, die vermutlich durch Sauerstoffmangel bei der Geburt entstanden sind. Die Verbindung zwischen Gehirn und Gliedmaßen scheint gestört, weshalb Pau-Pau Probleme beim Aufstehen und Gehen hat.
Herkunft und Unterstützung durch Spenden
Der Lottihof übernahm Pau-Pau im Mai von einer Tierschützerin in Schleswig-Holstein, die ihn von einem Mastbetrieb aufnahm. Der Rollwagen wurde durch Spenden finanziert. Die bayerische Firma, die ihn herstellte, ist eigentlich auf orthopädische Hilfsmittel für Hunde mit Handicap spezialisiert.
Pau-Pau ist mehr als 16 Wochen alt und wiegt bereits 140 bis 150 Kilogramm. Das hohe Gewicht bringt das Team an seine Grenzen. „Er wächst von Woche zu Woche und wird immer schwerer. Wir können ihm nicht stets und ständig hochhelfen. Mein Rücken ist jetzt schon total fertig“, sagt Doreen Huff.
Der Kampf um das eigenständige Aufstehen
„Rein körperlich ist alles in Ordnung. Und er hat auch Lebenswillen“, schildert die Tierschützerin. Wenn seine Beine in Position gebracht werden, schafft Pau-Pau es zeitweise mit etwas Hilfe selbst hochzukommen. Manchmal ziehe er die Beine zum Aufstehen auch schon an. Doch es gibt gute und schlechte Tage. „Er macht die Beine dann zu schnell wieder lang. Er versucht es ja, aber dann wird er wieder zu hastig“, so Huff.
Wenn Pau-Pau erst einmal im Rollwagen sei, laufe er auch. „Er muss einfach alleine aufstehen können. Dann kann er auch mal hinfallen oder durch die Gegend taumeln, Hauptsache er steht wieder auf“, betont Huff. Zwei- bis dreimal am Tag drehen die Tierschützer ihre Runde mit dem Kälbchen, damit es sich bewegt.
Ehrenamtliche gesucht und schwere Entscheidung im Blick
Bis es so weit ist, würde sich das Lottihof-Team über Ehrenamtliche freuen, die Pau-Pau beim Aufstehen helfen. Sollte das Kalb künftig nicht in der Lage sein, selbstständig aufzustehen, ist den Tierschützern bewusst, dass sie eine schwere Entscheidung treffen müssen. „Wir sind uns alle einig, dass wenn wir irgendwann feststellen, dass es nicht mehr geht, wir Pau-Pau dann einschläfern lassen. Doch wir haben ihm gesagt: Wir geben ihm die Chance“, sagt Christine Geburtig vom Lottihof.
Erfahrung mit Rollwagen durch Schaf Fritzi
Mit Tieren im Rollwagen hat der Lottihof schon Erfahrung – etwa durch Lämmchen Fritzi. Mit zwei Wochen war Fritzi mit seinem Vorderbein in eine Heuraufe geraten und hängen geblieben. Dort klemmte er sich die Nerven an der Wirbelsäule ein, wodurch er nicht mehr laufen konnte. Anfangs konnte er sich kaum auf den Beinen halten.
Auf dem Lottihof rollte er zuerst in einem umfunktionierten Kinderwagen, später in einem gespendeten Rollwagen für Hunde über das Gelände. „Er ist hier immer alleine herumgeflitzt“, erinnert sich Christine Geburtig. Eine maßgefertigte Orthese unterstützte ihn dabei, wieder auf die Beine zu kommen. Heute rennt und hüpft Fritzi voller Lebensfreude, auch ohne Orthese, und ist Teil der Schafsherde auf dem Lottihof.
Auch Fritzis Weg war lang und von vielen Zweifeln geprägt, denn anfangs stand auch hier die Frage im Raum, ob eine Erlösung das Beste für ihn wäre. Doch Fritzi hat das Team vom Lottihof eines Besseren belehrt – mit Lebenswillen, Vertrauen und der richtigen Unterstützung.