Schlepper gelten als die Zugpferde der See und sind in Wismar unverzichtbar. Sie kommen als Hafenschlepper, im Werfteinsatz oder zur Assistenz größerer Schiffseinheiten entlang der kurvenreichen Bundeswasserstraße in den Wismarer Hafen zum Einsatz. Ob sie in Revierfahrten oder im Hafen benötigt werden, entscheidet sich nicht nur an Bord – Grundlage ist die Hafennutzungsordnung.
Einsatzkriterien und Assistenz im Hafen
Kriterien für den Einsatz sind unter anderem Starkwind, die Art der Ladung und der Tiefgang. Trifft der Wind auf eine besonders große Angriffsfläche, wie bei Kreuzfahrtschiffen, hilft seitliches Drücken. Auch das Verringern des Bremsweges ist manchmal erforderlich.
In der Regel sorgen zwei Schlepper für eine Assistenz. Dabei übt der Vorschlepper die Zugfunktion aus, während der Achterschlepper steuert. Schiffe mit modernen Antriebssystemen haben Vorteile, da sie das Manövrieren erheblich erleichtern. Meist benötigen sie, wenn überhaupt, nur eine Schlepperhilfe.
Spezielle Aufgaben bei Werfteinsätzen
Weniger bekannt sind sehr spezielle Aufgaben, die solche maritimen Kraftpakete zum Beispiel für Werfteinsätze erledigen müssen, besonders beim Ein- oder Ausdocken. Ist der Pegel des gefluteten Baudocks mit dem der See angeglichen, gilt es, das Docktor zu öffnen. Die riesige Spezialkonstruktion, die das Dock gegen das Außenwasser abschottet, kann dann, selbst in einen schwimmfähigen Zustand gebracht, von zwei Schleppern entsprechend bugsiert werden.
Im Frühjahr 2008 handelte es sich konkret um einen Schiffsriesen, 220 Meter lang und knapp 30 Meter breit. Ein weiterer Schiffsrohbau neben ihm bot allerdings nur noch Platz von zweieinhalb Metern zwischen den Bordwänden. Zu wenig für den Schlepper, denn der gelangte nicht bis hinter das Heck, um den Schiffsriesen zu steuern, während der Vorschlepper am Bug ziehen sollte.
Spektakulärer Flug über das Dock
Die Lösung für die Crew des „Bugsier 16“: Das 400 Tonnen schwere Kraftpaket musste fliegen lernen, um schwebend bis zur Zielposition zu gelangen. Nach etwa 15 „Flugminuten“ in luftiger Höhe entlang des gesamten Baudocks landete es hinter dem Heck des Frachters im nassen Element. Möglich machte das der werfteigene Bockkran mit einer bis zu 1000 Tonnen Hebeleistung – und zwar nicht zum ersten Mal.
Natürlich blieb die Crew nicht an Bord. Sie hatte gemeinsam mit Festmacherspezialisten zuvor vier Kranhaken an den Festpunkten des Schlepperrumpfes anzuschlagen, wie es in der Fachsprache heißt. Damit war die sichere Flugtauglichkeit hergestellt, so die scherzhafte Bemerkung. Ob der betagte „Bugsier 16“ im neuen Konzept der TKMS Werft noch gebraucht wird, ist fraglich.