Martin Rakobrandt (38) ist zweiter Vormann des Seenotrettungskreuzers Nis Randers im Inselhafen Prerow. Er fährt auch dann aus, wenn andere Schiffe im Hafen Schutz suchen. Die Seenotretter sind an 365 Tagen rund um die Uhr einsatzbereit.
Einsätze bei jedem Wetter
„Wir fahren bei jedem Wetter, jeder Jahreszeit, jeder Tageszeit raus und helfen, wo wir können. Auch dann, wenn es der Heilige Abend ist. Das ist unser Job“, sagt Rakobrandt. Vier Seenotretter gehören zur Crew des Kreuzers. „Wir sind ein ziemlich kleines Team. Aber jeder kann sich auf jeden verlassen. Jeder weiß, was im Zweifelsfall zu tun ist.“
Nachts geht niemand Wache an Bord, aber die Leitstelle in Bremen hört UKW-Kanal 16 kontinuierlich ab. Wenn jemand Hilfe benötigt, schlägt diese Alarm.
Segelyacht nach Brand begleitet
Kürzlich eilten die Seenotretter einer Segelyacht zu Hilfe, an deren Bord ein Feuer ausgebrochen war. Da der Wind zu stark war, um an Bord zu gehen, wurde Plan B umgesetzt: Das noch segelfähige Schiff wurde durch die Seenotretter Richtung Seebrücke begleitet.
Ein weiterer Einsatz war die Freischleppung einer Fähre zwischen Hiddensee und Rügen mit 150 Menschen an Bord. Unvergessen ist für das Team die nächtliche Bergung eines Seemanns von einer Bau-Plattform unter Verdacht auf Herzinfarkt. Der Mann wurde per Hubschrauber in eine Klinik gebracht.
Leben an Bord und Familie
Rakobrandt ist seit elf Jahren hauptamtlich für die Seenotretter tätig. An Bord telefoniert er täglich mit seiner Frau und seinem vierjährigen Sohn. Wöchentlich fährt die Crew nach Barhöft für den Crew-Wechsel, zum Bunkern, Einkaufen und für Reparaturen.
Früher lag der Kreuzer im Nothafen Darßer Ort, nun im Inselhafen Prerow. Die Herausforderung dort: „Wir haben hier draußen, knapp 700 Meter weit weg von der Küste, überall Wind“, so Rakobrandt. Windschutz gebe es kaum. Das Ein- und Auslaufen des 28-Meter-Kreuzers sei anspruchsvoller, aber das Fahrwasser am Nothafen hatte auch seine Tücken. Dafür gebe es bessere Räumlichkeiten.
Die Seenotrettung hat in seiner Familie Tradition. Sein Großvater war 26 Jahre ehrenamtlicher Vormann in Lauterbach, sein Vater ist ehrenamtlicher Maschinist. Mit 16 Jahren wurde Rakobrandt ehrenamtlicher Seenotretter auf Rügen, lernte später Schiffsmechaniker und fuhr weltweit zur See. „Wir waren früher auf dem Öltanker bis zu drei Monate unterwegs. Das macht auch eine Zeit lang Spaß, aber irgendwann kommt eben das Thema Familienplanung ins Spiel. Und dann ist es schon schöner, wenn man fast direkt vor der Haustür ist als am Ende der Welt.“
Glücksbringer an Bord
Zwei Wochen verbringen die Seenotretter an Bord, zwei Wochen zu Hause. „Wir leben auf dem Schiff mit vier Leuten auf relativ engem Raum.“ Vorteilhaft sei es, wenn man eher ruhige Eigenschaften habe und ein bisschen Harmoniebedürftigkeit mitbringe.
An Bord gibt es einen Glücksbringer: einen Engel von Wendt und Kühn aus dem Erzgebirge mit grünen Flügeln, elf Punkten und der DGzRS-Flagge. „Es ist bei uns Tradition, dass wir diesem kurz einmal über den Kopf streicheln. Wenn wir das machen, geht alles gut. Das ist ein wenig der Aberglaube der Seeleute“, erklärt Rakobrandt.
An die Trennung von der Familie habe er sich gewöhnt. „Meine Frau hat mich so kennengelernt damals.“ Für seinen vierjährigen Sohn sei der Abschied noch schwieriger als für seine Frau, aber die Freude nach zwei Wochen zu Hause sei umso größer. Privat hat Rakobrandt ein Boot. Die Seenotretter musste er noch nie rufen, würde aber keine Minute zögern.