Azubimangel im Handwerk: Kreishandwerkerschaft nennt Gründe
Azubimangel im Handwerk: Kreishandwerkerschaft nennt Gründe

Die Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit rund 250 bis 270 Ausbildungsverträgen. Mit Stand vom 6. August 2026 seien 176 neu abgeschlossene Lehrverträge zu verzeichnen, schildert Tobias Böse von der Kreishandwerkerschaft. „Erfahrungsgemäß greift hier das traditionelle Bewerbungsverhalten: Viele Jugendliche starten erst zum 1. September oder beginnen ihre Ausbildung sogar noch etwas später im Herbst“, so Böse weiter.

Beliebte Berufe und freie Stellen

Bei der Wahl der Ausbildung sei der Beruf des Kfz-Mechatronikers bei jungen Erwachsenen nach wie vor beliebt. Auch das Elektrohandwerk stehe ganz oben auf der Beliebtheitsskala.

Obgleich viele neue Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden, zeige sich auch aktuell das Bild der Vorjahre: „Nach wie vor gibt es deutlich mehr freie Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber. Zudem fallen dem Ausbildungsmarkt kontinuierlich Betriebe weg, die aufgrund der Altersstruktur oder anstehender Nachfolgeprobleme schließen müssen – auch das ist keine neue Entwicklung. Im Grunde gilt: Grundsätzlich suchen alle Ausbildungsbetriebe und alle Gewerke immer händeringend nach Nachwuchs“, schildert Tobias Böse.

Gründe für unbesetzte Stellen

Der Experte der Kreishandwerkerschaft macht für die nichtbesetzten Ausbildungsplätze drei wesentliche Gründe aus. Zum einen nennt er eine unzureichende Berufsorientierung. „Die Berufsorientierung an den Schulen greift nach wie vor zu kurz. Viele Jugendliche wissen schlichtweg nicht, welche vielfältigen Berufe es überhaupt gibt, und können sich kaum oder gar nichts unter den einzelnen Gewerken vorstellen.“

Zum anderen verweist Böse auf Mobilitätsprobleme in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern. Praktika nach den Interessen der Schüler zu realisieren, scheitere oft an langen Anfahrtswegen zu ländlich gelegenen Betrieben. „Viele Jugendliche haben noch keinen Führerschein und sind schlichtweg nicht mobil. Um hier gegenzusteuern, organisieren Betriebe teils Fahrgemeinschaften, finden kreative Lösungen oder unterstützen die Jugendlichen sogar aktiv bei der Finanzierung des Führerscheins.“

Und schließlich weist Böse auf den demografischen Wandel hin. So sinke die Zahl der Schulabgänger während gleichzeitig das Ausbildungsangebot der Betriebe hoch sei.

Ausbildung als Fundament des Handwerks

Doch gerade die Ausbildung im eigenen Betrieb sei das absolute Fundament und die Lebensversicherung für die Zukunft des Handwerks. „Wer heute nicht ausbildet, dem fehlen morgen die Fachkräfte und die potenziellen Nachfolger. Eigene Azubis zu gewinnen und zu qualifizieren sichert nicht nur die Qualität und den Fortbestand des eigenen Unternehmens, sondern hält auch das Know-how in der Region“, betont Tobias Böse.

Eine Ausbildung im Handwerk biete jungen Menschen eine krisensichere Zukunft mit praktischem Bezug: „Man sieht am Abend, was man geschaffen hat, genießt hervorragende Übernahmechancen, exzellente Karrieredinge (wie Meister oder Weiterbildungen) und ein attraktives, modernes Arbeitsumfeld. Handwerk ist längst nicht mehr nur staubig, sondern hoch digitalisiert und zukunftsweisend“, hebt der Experte der Kreishandwerkerschaft hervor.

Jugendliche, die noch eine Ausbildungsstelle oder ein Praktikum suchen, könnten sich jederzeit und über alle Kanäle an die Kreishandwerkerschaft wenden.