Die Bauarbeiten auf der Großbaustelle am Werftdreieck in Rostock verzögern sich. Wie die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) mitteilte, können die Arbeiten nicht wie geplant zum Ferienende abgeschlossen werden. Grund ist der hohe Wasserstand in dem Bereich, der zu unvorhergesehenen Problemen führte. „Das Grundwasser schoss förmlich in die Baugrube“, schildert Jan Bleis, Vorstand Markt und Technik der RSAG.
Hoher Grundwasserstand bremst Gleisbau
Seit Mitte Juli erneuert und verlegt die RSAG die Gleise auf dem rund einen Kilometer langen Abschnitt zwischen Holbeinplatz und Einfahrt Doberaner Straße. Während die Arbeiten auf Höhe der Überfahrt in die Doberaner Straße mit tagelanger Vollsperrung der L22 noch im Zeitplan abgeschlossen werden konnten, sorgt nun der Baugrund an anderer Stelle für Probleme.
Etwa auf halber Strecke zwischen Holbeinplatz und Maßmannstraße stellt der hohe Grundwasserstand die Bauarbeiter vor besondere Herausforderungen. Dort werden die Schienen um einige Meter Richtung Norden umverlegt, um Platz für die geplanten Zufahrtsstraßen von der L22 in das neue Wohnquartier der Wiro zu schaffen. Bereits ab einer Tiefe von zwei Metern sprudelte das Wasser, innerhalb weniger Stunden entstand ein regelrechter Pool. „Früher ist hier mal ein Bach geflossen“, ergänzt Martin Mantey, Teamleiter bei der RSAG.
Verzögerung von drei Wochen
Um die Tragfähigkeit für die Gleise herzustellen, mussten die Bauarbeiter viel Erde bewegen. Auf etwa 250 Metern wurde der Boden ausgetauscht und in etwa drei Metern Tiefe ein sogenanntes Geopolster als Tragschicht eingebracht. Schließlich rollen später tagtäglich die etwa 40 Tonnen schweren Trams über den Abschnitt mit rund 25.000 Fahrgästen täglich.
Etwa drei Wochen, so schätzt Bleis, werden sich die Arbeiten verzögern. Die Koordinierung der verschiedenen Gewerke stelle einen hohen Aufwand dar. Etwa 40 bis 50 Bauarbeiter sind aktuell auf dem Abschnitt im Einsatz, die Bauleistung wurde verstärkt. Aktuell werden am einen Ende der Baustelle bereits die Gleise verlegt und die Haltestelle erneuert, während am anderen Ende noch Profilträger gesetzt werden, die die Schottersteine an den Gleisen an ihrem Platz halten sollen.
Straßenbahnen fahren ab 13. September
Rund 170 Meter Doppelgleis können an einem Tag verlegt werden, schätzt Mantey. Aber selbst wenn diese liegen, könnten die Straßenbahnen noch nicht gleich wieder fahren. Zuerst müssten die einzelnen, jeweils 15 Meter langen Gleisabschnitte miteinander verschweißt werden. „Und die Oberleitung muss auch noch hergestellt werden“, sagt der RSAG-Teamleiter. Das alles soll bis 12. September erfolgt sein, so dass die ersten Bahnen ab 13. September ungehindert fahren können. Aktuell ist das Straßenbahnnetz zwischen Doberaner Platz und RSAG-Betriebshof in der Hamburger Straße gekappt und in zwei Teile geteilt.
Aufgrund der Bauverzögerungen wird der Schienenersatzverkehr mit den Linien E1 und E2 unverändert fortgeführt. „Das hat sich gut eingespielt“, sagt Bleis. Auch während der Hanse Sail habe es gut funktioniert. Für den Schülerverkehr, der mit Beginn des neuen Schuljahres am 24. August wieder startet, solle die Taktung verdichtet werden. Außerdem sollen die betroffenen Schulen informiert werden. „Wir sind frohen Mutes, dass es kein Chaos geben wird“, zeigt sich Bleis optimistisch.
Wie sich die Bauverzögerungen auf die Kosten des Großvorhabens auswirken werden, kann Bleis noch nicht benennen. Etwa fünf Millionen Euro investiert das Verkehrsunternehmen in die Maßnahme – so der Stand vor der Bauverzögerung.