Speerwerferin Julia Ulbricht will ins EM-Finale
Speerwerferin Ulbricht will ins EM-Finale

Die Rostocker Speerwerferin Julia Ulbricht vom 1. LAV Rostock möchte sich am Freitag, 14. August, ab 11.40 Uhr bei den Europameisterschaften in Birmingham für das Finale am Sonntag qualifizieren. Die 25-Jährige hat bereits mehrfach darüber nachgedacht, den Speer in die Ecke zu stellen, sich aber durchgebissen.

Ein schwieriger Weg mit vielen Hindernissen

„Ich habe oft darüber nachgedacht, warum ich mir das Training jeden Tag antue, wenn es sich nie lohnt. Mir hat es geholfen, herauszufinden, warum ich es mache. Werfen macht mir großen Spaß und ich verfolge immer noch den Traum, zu Olympia zu kommen. Solange ich körperlich das Gefühl habe, dass das noch möglich ist, bleibe ich dran. Ich bin jemand, der nicht so schnell aufgibt, sondern bleibe lange dran“, sagt Julia Ulbricht.

Schon 2025 war die Rostockerin mit 61,02 Metern deutsche Jahresbeste. „Am Ende war es eher wieder enttäuschend, denn letztlich hat es mir nichts gebracht. Ich hatte zwar die Bestätigungsnorm für die WM, doch bei den Deutschen habe ich verletzt geworfen. Mit einer besseren Platzierung hätte es gereicht, um zur WM zu fahren. Aber natürlich war es ein großer Schritt, dass ich die 60 Meter geknackt habe“, so die Athletin des 1. LAV.

Erfolg bei den Deutschen Meisterschaften

In diesem Jahr konnte sich die Speerwerferin auf einem höheren Niveau stabilisieren, übertraf mehrfach die 60-Meter-Marke und warf das Sportgerät bei den Deutschen Meisterschaften auf 61,58 Meter fliegen. „Ich habe das erst gar nicht richtig realisiert, dass ich mit Bestleistung deutsche Meisterin geworden bin und dabei noch neben der EM- auch die Kadernorm erreicht hatte. Als ich zu Hause bei meinem Mama stand und sie umarmt habe, bin ich in Tränen ausgebrochen“, sagt Julia Ulbricht.

Im Nachwuchsbereich zählte die Hansestädterin zu den Besten, war regelmäßig bei internationalen Meisterschaften dabei. 2019 gewann sie bei der U20-EM Silber, wurde 2017 bei der U18-WM Vierte. Doch der Übergang zu den Erwachsenen misslang, auch bedingt durch Verletzungen (unter anderem Ellbogen-OP). „Ich war verletzt und es setzte ein blöder Prozess ein. Ich verlor den Spaß und die Selbstsicherheit. In den letzten Jahren war es superschwer dranzubleiben, wenn man Probleme hat und es nicht in den Kader kommt, kaum von außen unterstützt wird. Dann wirft man einmal gut, ist wieder verletzt. Es war echt hart.“

Neue Wege und große Ziele

Auch mit ihrem Trainer Mark Frank hat sie sich mitunter gefetzt, doch das Duo raufte sich immer wieder zusammen und kann jetzt die Früchte der harten Arbeit ernten. „Wir hatten Höhen und Tiefen untereinander, aber bewiesen, dass sich das am Ende auszahlt. Ich möchte mir und allen andere beweisen, auch denen, die vielleicht nicht mehr an mich geglaubt haben, dass ich weiter werfen kann“, so Julia Ulbricht.

Vor dieser Saison ging die 25-Jährige einen neuen Weg, trainierte mehrere Wochen in Australien bei Uwe Hohn (warf den „alten“ Speer auf 104,80 Meter) und Ozeanien-Rekordhalterin Kathryn Mitchell. „Ich habe das als Trainingslager genommen, weil mir ja keins vom Verband finanziert wurde. Es war mein Traum, einmal woanders mitzutrainieren. Das war in jedem Fall eine super Sache und hat mein Selbstvertrauen gestärkt.“

In Birmingham sind 61,00 Meter für den Einzug in das Finale am Sonntag nötig. Eine Weite, die Julia Ulbricht drauf hat: „Ich bin total motiviert und freue mich drauf, richtig gut zu werfen. Ich weiß, dass ich noch viel weiter werfen kann. In erster Linie möchte ich ins Finale kommen. Ansonsten gibt es keinen richtigen Favoriten. Alle werfen inkonstant und tun sich schwer in diesem Jahr. Natürlich träume ich davon, einmal eine Medaille zu gewinnen und würde mich nicht beschweren, wenn es klappt. Aber mein Hauptziel sind die Top-Acht“.