„Storkow“: Ein Ostsee-Fischkutter soll Denkmal werden
„Storkow“: Fischkutter soll Denkmal werden

Der 17-Meter-Holzkutter „Storkow“, gebaut 1949 in Greifswald, soll als bewegliches Denkmal in die Denkmalliste von Mecklenburg-Vorpommern eingetragen werden. Die Prüfung, die über den Eintrag und damit über Fördermittel entscheidet, läuft bereits. Ohne diese Mittel ist eine Rettung des fast vergessenen Ostsee-Fischkutters kaum denkbar.

Ein Mann treibt das Projekt voran

Der Rostocker Paul Hildebrand, von Beruf Kfz-Mechatroniker und Berufskraftfahrer, hat das Schiff Ende 2025 für einen symbolischen Euro erworben. Seitdem hat er zahlreiche Anträge gestellt, um den Kutter am Alten Strom in Warnemünde liegen zu lassen. Vertreter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege und der Rostocker Denkmalschutzbehörde haben das Schiff bereits inspiziert.

Unterstützung kommt vom Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern. In einem Schreiben spricht er sich für die Feststellung der Denkmaleigenschaft aus: „Darüber hinaus besitzen die 17-Meter-Kutter eine herausragende Bedeutung für die Schiffbaugeschichte Mecklenburg-Vorpommerns. Sie stehen symbolhaft für den Wiederaufbau der Schiffbauindustrie in den Nachkriegsjahren und begründeten eine Entwicklung, aus der sich der Fischereifahrzeugbau in der DDR zu einem international bedeutenden Industriezweig entwickelte. Damit dokumentieren sie ein zentrales Kapitel der Wirtschafts- und Technikgeschichte unseres Landes.“

Geplant als lebendiges Zeugnis

Die „Storkow“ soll im Jahresthema „Kulturlandschaft des Jahres 2027: Wasser(wege)“ als lebendiges Zeugnis von Wasser, Arbeit und regionaler Identität sichtbar gemacht werden. Auch die Stadt Storkow (Mark), Namenspatin des Kutters, unterstützt das Vorhaben. Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig (SPD) nennt die „Storkow“ ein authentisches Zeugnis der Ostseefischerei.

Erst dieses Jahr wurde die „traditionelle kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern Mecklenburg-Vorpommerns“ in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Hildebrand sagt: „Ein Kutter wie die ,Storkow‘ macht Kultur materiell und immateriell erlebbar.“

Der Weg zum Denkmalstatus

Nach dem Denkmalschutzgesetz MV braucht es ein öffentliches Interesse an Erhalt und Pflege. Auf die Begutachtung folgen Archivrecherchen, technische Bewertungen und eine Denkmalwertbegründung. Erst wenn die Behörde die Denkmaleigenschaft bestätigt, erfolgt der Eintrag. Der NDR hat bereits über den blauen Fischkutter berichtet.

Kosten und Schäden

Im Sommer 2026 drohte die „Storkow“ im Rostocker Stadthafen zu sinken. Auf Anordnung des Hafenamts wurde der Kutter geborgen und im Fischereihafen an Land gesetzt – die Kosten dafür beliefen sich auf rund 55.000 Euro. Hildebrand schätzt die Instandsetzung des hölzernen Rumpfs, der Aufbauten und der Technik auf etwa 500.000 Euro zusätzlich.

Bei der Landsetzung soll der Kutter nicht fachgerecht abgestützt worden sein. Als Stützen dienten zurechtgeschnittene Baumstämme, die mit etwa 30 Holzschrauben direkt mit dem Rumpf verschraubt wurden. Die durch den Rumpf getriebenen Schrauben verursachten Schäden, die Hildebrand dokumentiert sieht, etwa durch Aufnahmen des NDR-Teams. „Auch 50 Gegenstände, darunter Funk- und Navigationsgeräte, sind verschwunden“, sagt er.

Warum der Aufwand? „Weil nur noch wenige der rund 140 gebauten 17-Meter-Holzkutter weitgehend original erhalten sind. Sie sind Arbeitsschiffe und Zeitzeugen zugleich. Eng verknüpft mit den Lebenswegen der DDR-Küstenfischer.“ Wer die „Storkow“ erhält, rettet nicht nur ein Schiff, sondern bewahrt eine Erzählung von Mut und Einsatz – ein Stück DDR-Geschichte.