Neun Finalisten aus mehr als 150 Bewerbungen präsentieren am 16. September in Rostock ihre Ideen für einen leiseren, effizienteren, grüneren und intelligenteren Seetourismus. Der Kreuzfahrtriese Aida richtet anlässlich seines 30. Jubiläums erstmals den Aida Innovation Hub aus, einen Innovationswettbewerb, der den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und maritimer Praxis fördern soll.
Drei Kategorien, neun Finalprojekte
Aus den weltweiten Einreichungen wurden jeweils drei Projekte in den Kategorien „Dekarbonisierung“, „Nachhaltigkeit“ und „KI & Smarte Lösungen“ ausgewählt. Die Finalisten stellen ihre Konzepte im September in jeweils zehn Minuten vor. Über die Sieger entscheidet eine Jury aus Wissenschaft, Industrie und Kreuzfahrt.
Die Gewinner können ihre Ideen, so der Ansatz des Aida Innovation Hub, dann mit Aida gemeinsam in Umsetzungsstudien weiterentwickeln oder als Pilotprojekt an Bord testen.
Dekarbonisierung: Abwasserwärme, Pumpen und Titanoberflächen
In der Kategorie „Dekarbonisierung“ stehen Revincus aus Weimar, die Hydronauten aus Rostock sowie TiTech aus Madrid im Finale. Revincus hat eine Technologie zur Rückgewinnung thermischer Energie aus Abwasser entwickelt. Die gewonnene Wärme kann an Bord erneut genutzt werden, um Energieverbrauch, CO₂-Emissionen und Betriebskosten zu senken.
Die Hydronauten stellen die QuietHydro-Technologie vor. Diese reduziert Pumpenschwingungen sowie Lärmemissionen und verbessert die Energieeffizienz von Pumpensystemen, was zugleich den Komfort an Bord erhöhen kann. TiTech setzt auf eine chemiefreie Titanoberfläche, die Bewuchs an Unterwasserstrukturen hemmt. Die geringere Reibung soll die Effizienz steigern und damit Kraftstoff sparen und Emissionen senken.
Nachhaltigkeit: Schallschutz, Holz und Kreislaufwirtschaft
In der Kategorie „Nachhaltigkeit“ wurden der Hafenbetreiber Rostock Port, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie das Unternehmen Circularity Germany nominiert. Das Projekt LA-RoRo II von Rostock Port verfolgt einen Ansatz zur aktiven Schallminderung im Hafen. Echtzeitanalysen und gezielt erzeugte Gegensignale sollen Lärmemissionen reduzieren.
Das DLR stellt mit „WoodShip“ den verstärkten Einsatz von Holz in ausgewählten Schiffsstrukturen zur Diskussion. Die Materialeigenschaften und die Kohlenstoffspeicherung des Rohstoffs könnten langfristig Emissionen mindern. Circularity Germany plant ein Kreislaufwirtschaftskonzept für Bordtextilien. Arbeitskleidung, Handtücher und Tischwäsche sollen recycelt und als neue Produkte in den Betrieb zurückgeführt werden.
KI & Smarte Lösungen: Navigation und Besucherströme
In der Kategorie „KI & Smarte Lösungen“ wurden Ariadne, die Firma Contagt aus Mannheim sowie Rostock.ai ausgewählt. Ariadne entwickelt Technologien zur Analyse von Besucherströmen ohne Kameras und ohne personenbezogene Daten. Die Ergebnisse sollen helfen, Angebote und Abläufe stärker an den Bedarf der Gäste auszurichten.
Contagt präsentiert eine digitale Indoor-Navigation, die in bestehende Anwendungen integrierbar ist. Sie soll die Orientierung an Bord erleichtern, von einer barrierefreien Wegeführung bis hin zu Event-Hinweisen. Mit Rostock.ai hat der Rostocker Gründer Jamil Darwish eine KI-gestützte Plattform entwickelt, die Besucher mit aktuellen Informationen, lokalen Angeboten, Unternehmen und Sehenswürdigkeiten vernetzt. Für Kreuzfahrtgäste könnte die Lösung zudem künftig als digitaler Reisebegleiter dienen.
„Die hohe Qualität und Vielfalt der eingereichten Ideen hat uns beeindruckt“, sagt Dirk Inger, Senior Vice President Public Affairs, Communication & Sustainability bei Aida Cruises.