Nach dem tödlichen islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin will die Polizei ihre Präsenz auf der CSD-Demo am 15. August in Neustrelitz verstärken. Der organisierende Verein Queer Strelitz und die Polizei haben sich dazu nach gemeinsamen Angaben abgestimmt. Die Veranstaltung soll aber auf alle Fälle stattfinden, hieß es.
Offizieller Start am Rathaus
Hintergrund sind die Ereignisse vom 25. Juli in Berlin, wo ein Angreifer mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge fuhr, dabei einen Menschen tötete und mehrere verletzte. Die Organisatoren haben vor dem Hintergrund dieses Anschlags Route und Ziel in Neustrelitz angepasst sowie gemeinsam mit den Behörden bestehende Sicherheitskonzepte überprüft.
Der CSD in Neustrelitz beginnt offiziell am 15. August um 9.30 Uhr mit dem Hissen der Regenbogenflagge vor dem Rathaus durch den Verein und Bürgermeister Andreas Grund (parteilos). Die Demonstration soll dann um 14 Uhr am Hauptbahnhof starten. In diesem Jahr endet sie aber nicht in der Innenstadt, sondern auf dem Schlossberg beim CSD-Demokratiefest. Das Gelände ist nach Vorgaben des Landes eingezäunt.
„Tragen die schrecklichen Ereignisse in Berlin im Herzen“
Laut Verein bietet der Standort im Notfall mehr Fluchtmöglichkeiten. Queer Strelitz rechnet mit 500 bis 1000 Teilnehmern. Die Route sei so gewählt worden, dass neben Hauptstraßen auch kleinere Nebenstraßen durchquert werden. Station macht der Zug auch im Stadtteil Kiefernheide. Die Polizei sichert die Strecken ab, zusätzlich ist privates Sicherheitspersonal im Einsatz.
„Wir tragen die schrecklichen Ereignisse in Berlin im Herzen und geben ihnen einen Platz in unserem Programm“, sagte der Vereinsvorsitzende Christian Arnold Krüger. Zugleich betont er den politischen Charakter der Demonstration: „Ein CSD ist eine Demonstration für gleiche Rechte, für queere Rechte und Sichtbarkeit und gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Hass.“
Verein verweist auf frühere Vorfälle
Krüger verwies auf frühere Vorfälle in Neustrelitz, darunter Beleidigungen, das Bewerfen mit Eiern und das Filmen von Teilnehmern. Bei einem aggressiven Zwischenfall habe die Polizei sofort eingegriffen. Diskriminierendes oder übergriffiges Verhalten werde auf keinen Fall toleriert, heißt es im Vorfeld.
Polizei und Sicherheitsbehörden bewerten die Lage nach eigenen Angaben fortlaufend und wollen Maßnahmen an aktuelle Erkenntnisse anpassen. Dazu gehöre, bestehende Konzepte regelmäßig zu prüfen und bei Bedarf weiterzuentwickeln. Im Blick seien nicht nur die Veranstaltungsorte, sondern auch Zu- und Abwege sowie weitere öffentlich zugängliche Bereiche. Konkrete Einsatzzahlen nennt die Polizei aus taktischen Gründen nicht.
Dieses Programm ist am Nachmittag geplant
Das Sicherheitskonzept für den CSD in Neustrelitz hat Alice Hagenbruch erstellt. Es ist nach Angaben des Vereins mit Polizei und Ordnungsamt abgestimmt. „Bisher ist meistens alles friedlich verlaufen. Durch den Polizeischutz hat man sich sicher gefühlt. Die Polizei hat gute Arbeit gemacht“, schätzt Hagenbruch ein.
Um 15 Uhr sind Redebeiträge am Rathaus geplant. Das Demokratiefest auf dem Schlossberg beginnt um 17 Uhr. Ab 22 Uhr klingt der Tag mit einer After-Show-Party im Kunsthaus aus.