Mehr als 3000 bereits bekannte, versunkene Schiffswracks, alte Hafenanlagen und historische Siedlungsplätze liegen am Grund der Ostsee sowie in den Seen und Flüssen Mecklenburg-Vorpommerns. Die meisten dieser historischen Unterwasser-Schätze sind bislang nur wenigen zugänglich. Ein neues digitales Projekt soll das ändern: das Freiwassermuseum Digital. Pünktlich zum „Internationalen Tag des Kulturerbes unter Wasser“ am 21. August startet die Plattform und bringt die geheimnisvollen Welten am Grund der heimischen Gewässer direkt auf das Smartphone.
3D-Modelle zum Drehen und Zoomen
Die Besucher der Plattform erwartet eine große Bandbreite dreidimensionaler Modelle der Fundstücke, die am Bildschirm gedreht und aus nächster Nähe betrachtet werden können, informieren Martin Siegel und Kai Schaake vom Landesverband für Unterwasserarchäologie MV. „Und vielleicht entsteht zu den Fundplätzen ein konstruktiver und fachlicher Austausch mit Menschen, die nicht zu den Schiffswracks, Hafenanlagen oder Siedlungsplätzen tauchen können“, so Siegel und Schaake.
Die ersten Höhepunkte der digitalen Sammlung sind:
- Der Schlepper der Warnemünder Bucht: Ein rund 100 Jahre altes Wrack, dessen Konturen glasklar erkennbar sind.
- Das Wrack vom Gellort: Ein hölzernes Schiffswrack vor der Nordspitze Rügens.
- Die Fregatte „Mynden“: Ein Kriegsschiff, das 1718 auf dem gefürchteten Arkona-Riff sank.
Millimetergenaue Aufnahmen für die Öffentlichkeit
Um das Projekt zu ermöglichen, fotografieren ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger und Forschungstaucher die Fundstellen millimetergenau ab. Eine Spezialsoftware berechnet aus diesen Hunderten Einzelaufnahmen hochpräzise 3D-Modelle, die dann der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.
„Das Projekt soll vernetzen und lebt von der Mitwirkung aller Unterwasserarchäologen, ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger und Sporttaucher, die in unseren Gewässern 3D-Modelle erzeugen“, sagt Kai Schaake. Das erklärte Ziel sei es, „gemeinsam ein Bild vom Wert und der Vielfalt des regionalen Unterwasserkulturerbes zeichnen und vermitteln“.
Kulturerbe durch illegale Bergungen gefährdet
Dabei handele es sich um ein „dynamisches Angebot“, so Siegel und Schaake in einer gemeinsamen Mitteilung. „Neben dem Einpflegen vorliegender und neuer Modelle muss die Plattform für eine breite Nutzung beworben werden.“ In Zukunft wollen die Partner auch Informationen rund um die Modelle auf der Homepage bereitstellen.
Siegel und Schaake nutzen die Ankündigung des Projekts zudem für einen dringenden Appell: „Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass unser Kulturerbe – ob bekannt oder unbekannt – durch illegale Bergungen, kommerzielle Nutzung des Meeresgrundes oder Seebodens, Tourismus und Klimawandel (Niedrigwasser, Trockenheit, Stürme) gefährdet ist.“ Bislang fehlten für viele Gewässerzonen klare denkmalpflegerische Zuständigkeiten und Meldeketten. Sie fordern daher eine Ratifizierung des bereits 2001 verfassten UNESCO-Übereinkommens zum Schutz des Unterwasserkulturerbes durch Deutschland und Österreich. Nur durch verbindliche Gesetze lasse sich das historische Erbe für künftige Generationen bewahren.
Die Plattform wird vom Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten MV und vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege MV gefördert. Träger sind der Landesverband für Unterwasserarchäologie MV und der Verein Archaeomare. Das Freiwassermuseum Digital ist ab dem 21. August 2026 unter www.freiwassermuseumdigital.de online.