Vier Tage lang stand Rostock im Zeichen der maritimen Tradition. Rund eine halbe Million Menschen besuchten die 35. Hanse Sail vom 6. bis zum 9. August in Rostock, das größte Traditionsseglertreffen Europas, direkt an der Ostsee. Eine Umfrage unter den Besuchern zeigt: Die Begeisterung ist groß, aber es gibt auch Nachholbedarf.
Treue Fans und die Liebe zur Atmosphäre
„Es ist einfach DAS Event des Jahres“, sagen Fenja und Flo. Sie kommen seit Jahren regelmäßig und genießen auch in diesem Jahr mit Freunden die Musik und den Sonnenuntergang über der Warnow. Auf die Frage nach den Schiffen antworten sie lachend: „Ja die Schiffe sind auch da.“
Für viele jüngere Besucher stehen vor allem Fahrgeschäfte und Volksfest-Atmosphäre im Vordergrund. „Es ist einfach schön hier mit meinen Leuten über die Sail zu gehen“, sagt eine junge Besucherin. Sie schätzt die Breite des Angebots: „Da ist wirklich für jeden was dabei.“
Gelobt wird auch die internationale Vielfalt. „Ganz toll hat mir gefallen, dass es international ist“, sagt eine Besucherin aus Frankfurt (Oder). Sie verweist auf Stände aus Polen: „Mein Mittagessen bestand heute aus einem polnischen Gericht – ganz wie ich es von zuhause kenne.“
Traditionssegler als Höhepunkt
Das Interesse an den Traditionsseglern ist ungebrochen. „Alles, was mit besegelten Schiffen zu tun hat, finde ich großartig“, sagt ein Besucher. Er freue sich, die Schiffe in natura zu sehen: „Wann sonst hat man eine solche Gelegenheit? Das ist schon wirklich toll.“ Etwa 15.000 Mitfahrtickets waren laut Veranstalter im Umlauf.
Doch neben Lob gibt es auch kritische Töne: Viele Schiffspotter vermissen die gigantischen Großsegler, die früher zur Hanse Sail gehörten. Auch das musikalische Angebot sei „früher mal besser gewesen“.
Kritik am Markt-Areal in der Innenstadt
Das Innenstadt-Areal wird wiederholt negativ erwähnt. „Das waren viel zu wenig Stände“, sagt eine Frau aus Wismar. „Der Regionalmarkt sollte schon ein breites Bild der Region bieten. So ist das ja fast schon peinlich für unsere Region.“
Auch der Moby Dick Markt hätte für zwei Besucher aus Berlin „größer“ sein können. „Ich finde es schon cool, dass hier alles nachhaltig ist“, meint Joost. „Aber damit muss man auch werben und es groß aufziehen.“ Seine Freundin Dani mag Kunsthandwerk, hätte sich den Markt aber „verwinkelter“ und „größer“ gewünscht: „Hier ist ja doch hauptsächlich Durchgangsverkehr“, sagt sie.
Barrierefreiheit bleibt ein Problem
Nicht alle Gäste kommen gleich gut durch die Menschenmengen. „Der Nachteil ist für Rollstuhlfahrer: Der Weg, egal wo hin, ist ziemlich beschwerlich“, sagt ein Besucher. Er müsse oft am Rand warten, während seine Begleiter stöbern. Christian Kaiser, ebenfalls im Rollstuhl, kommt „kaum an die Kaikante“, da überall Hindernisse seien. Einen barrierefreien Weg habe er nicht gefunden: „Den hätt' ich wahrscheinlich dann auch genommen.“