Das Heimatmuseum Warnemünde bewahrt historische Badeanzüge, die mehr als nur praktische Kleidung waren. Sie zeigen, wie sich Moralvorstellungen und Modetrends an der Küste verändert haben.
Anstand und Moral in der Badekleidung
Christoph Wegner, Leiter des Heimatmuseums, erklärt: Im 19. und frühen 20. Jahrhundert spiegelten Badeanzüge Anstand und Moral wider. „Die Badekleidung sollte wenig Haut zeigen.“ Sogar Sittenerlasse regelten die Freizügigkeit, wie der „Zwickelerlass“ von 1932. Zu knappe Badeanzüge konnten beanstandet werden.
Dabei spielten modische Aspekte von Anfang an eine Rolle. Baden war ein Hobby der Oberschicht, bei dem es auf eine gute Figur ankam. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts trugen Damen üppige, halbwollende Badekostüme, Herren bevorzugten „gestreifte Trikots“.
Wandel nach dem Ersten Weltkrieg
Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Kostüme „badegerechter und auch freizügiger“, so Wegner. Einteiler wurden populär, auch für Kinder, wie ein ausgestelltes Badekostüm von etwa 1920 zeigt.
Mit den Jahrzehnten wurden die Moralvorstellungen entspannter. In der DDR fand sogar die Freikörperkultur (FKK) Verbreitung. Bis heute gibt es in Warnemünde eigene Strandabschnitte für FKK-Fans.