Die Neue Philharmonie Mecklenburg-Vorpommern startet im Herbst 2026 ein neues, intimes Kammermusikformat unter dem Namen „Klangmomente“. Den Auftakt macht eine Konzertreihe des Lynx Quartetts, dem der Geiger Juan-Esteban Rendón als erster Geiger angehört. Die vier Musiker wollen die Geschichte des Streichquartetts in „Klangmomenten“ erzählen – nah am Publikum und moderiert von ihnen selbst. Die Konzerte finden an besonderen Orten in Rostock, Zarrentin, Ludwigslust und Plattenburg statt und werden in Kooperation mit SVZ und Nordkurier veranstaltet.
Ein Projektorchester mit besonderer Energie
Die Mitglieder des Lynx Quartetts haben sich bei der gemeinsamen Arbeit in der Neuen Philharmonie kennengelernt. Anders als in staatlichen Orchestern setzt die Neue Philharmonie MV als Projektorchester ohne staatliche Grundfinanzierung bewusst auf ein freiberufliches Modell. Für Rendón liegt darin das Geheimnis der einzigartigen musikalischen Energie: „Niemand in unserem Orchester kann von einer Dienstmüdigkeit sprechen.“ Ein Projektorchester könne es sich „gönnen, Charaktere und Spielarten vollkommen frei zusammenzustellen“, was eine andere Energie und musikalische Dynamik erzeuge.
Der Nachteil: „Man muss sich als freiberuflicher Musiker um alles selbst kümmern.“ Das sei enorm viel Arbeit, so Rendón, der sowohl als Musiker als auch als Produzent in der Philharmonie fungiert. An einem staatlich subventionierten Theater gebe es für diese Aufgaben „sicher mehr Leute“, die sich nur darum kümmerten.
Vom Orchesterprojekt zum Quartett
„Aber ich genieße die Freiheit sehr“, sagt Rendón. Ohne diese wäre das Projekt „Klangmomente“ wahrscheinlich gar nicht zustande gekommen. „Wir haben uns im Orchester kennengelernt und das Quartett 2024 gegründet“, erzählt er. Aufnahmen von Konzerten, die im Orchester geteilt wurden, erregten die Aufmerksamkeit von Lutz Schumacher, dem Geschäftsführer der SV-Mediengruppe. Danach sei alles ziemlich schnell gegangen und das neue Format war geboren.
Mit den „Klangmomenten“ möchte die Neue Philharmonie MV künftig kleinere Säle und neue Spielstätten erschließen. „Es heißt nicht umsonst Kammermusik“, meint Rendón. Die Kammermusik sei für kleine Räume gemacht, in denen die Musiker ganz nah am Publikum sind und jeder Ton anders trägt als in einem großen Orchester. Das Publikum höre „wirklich jede Nuance“, da verschwimme nichts.
Programm und Termine der Konzertreihe
Das Lynx Quartett spannt einen Bogen durch zwei Jahrhunderte Quartett-Geschichte und moderiert das Programm selbst. Die Reise beginnt bei Joseph Haydn, dem „Vater der Gattung Streichquartett“, der 68 Quartette komponierte. Das Programm umfasst Werke von Haydn, Borodin, Schostakowitsch und Caroline Shaw. Zum Ausklang kündigt Rendón eine „feurige“ Zugabe an.
Insgesamt sind sieben Konzerte geplant, davon drei im Süden. Die diesjährigen „Klangmomente“ seien ein Testlauf, um zu sehen, ob das Format angenommen werde. „Wenn es gut läuft, soll es ein wiederkehrendes Format werden“, so Rendón. Perspektivisch sollen auch andere Ensembles aus der Neuen Philharmonie vorgestellt werden. Die Termine: 19.10.2026 Kunsthalle Rostock, 20.10.2026 Kloster Zarrentin, 21.10.2026 Burg Plattenburg, 22.10.2026 Goldener Saal Schloss Ludwigslust. Tickets kosten 28 Euro, Kinder 14 Euro, erhältlich über mein.nordkurier.de oder telefonisch unter 0395 / 3511613.