In Warnemünde wird über die Zukunft der historischen DDR-Fischkutter diskutiert. Der Leiter des Heimatmuseums Warnemünde, Christoph Wegner, hat sich nun in die Debatte eingeschaltet. „Ich bin für eine Bündelung der verschiedenen Initiativen zur Sicherung des maritimen Erbes in Warnemünde“, sagte Wegner dieser Zeitung.
Viele Projekte für den Erhalt der Kutter
Anlass sind aktuelle Projekte rund um die Bewahrung historischer DDR-Fischkutter und die Frage, wie die frühere Ostsee-Fischerei vor Ort vermittelt werden kann. So engagiert sich der Rostocker Paul Hildebrand, von der Ausbildung Kfz-Mechatroniker und Berufskraftfahrer, für den Erhalt des 17-Meter-Holzkutters „Storkow“. Der Vorsitzende des Ortsbeirats Warnemünde, Axel Tolksdorff (Rostocker Bund), setzt sich für den Erhalt des Kutters „Pasewalk“ ein.
Dazu gibt es auch kritische Stimmen: „Wer braucht diesen SED-Dreckskutter?“, fragte ein Leser zur Berichterstattung über die „Storkow“. Eine andere Leserin assoziiert die Kutter mit „stalinistischen SED-Genossen“, die dort „in enger Verbundenheit mit den Blockfreunden“ sitzen.
Konkrete Ideen des Museumsleiters
Museumschef Wegner, der für den Erhalt der Kutter ist, hat dazu eine Idee: „Ein Kutter könnte als begehbares Informationszentrum an der Mittelmole dienen, ein weiterer – sofern seetüchtig – für Ausfahrten genutzt werden.“ Ein solcher Ansatz verbinde „Vermittlung mit erlebbarer Tradition“. Für die dauerhafte Präsentation an Land sei jedoch ein konservatorisches Konzept nötig, um „Substanzverlust“ zu vermeiden.
Ziel, so Wegner, müsse es sein, die Bedeutung der Fischerei in Warnemünde und entlang der Ostseeküste nachvollziehbar zu machen. Dazu gehörten auch niedrigschwellige Angebote wie Infotafeln und kleine Sammlungspräsentationen.
Großes Interesse und Finanzierungsfrage
Mit Blick auf die Vermittlung der Schifffahrts-Tradition verweist Wegner auf eine Lücke bei jüngeren Generationen, die die aktive Fischerei in Warnemünde kaum noch erlebt haben. „Es ist wichtig, dieses Kapitel der Heimatgeschichte zu erhalten und sichtbar zu machen“, so der Museumsleiter. Gerade für junge Menschen, aber auch für Anwohner und Touristen. „Das Interesse dafür ist da – sogar über MV hinaus.“
Für „größere Lösungen“, betont Wegner, wäre aber eine „verlässliche Finanzierung“ nötig. Er regt an, private Stiftungen oder lokale Unternehmer einzubinden. „Dabei müsste jedoch die langfristige Sicherung des maritimen Erbes im Mittelpunkt stehen und nicht die Selbstdarstellung.“ Insofern sei das „uneigennützige und mutige Engagement von Einzelkämpfer Paul Hildebrand“, der ja selbst ein „Nachwende-Kind“ sei, gar nicht hoch genug zu bewerten.