Rostock reaktiviert DDR-Block in Gehlsdorf für 400 Flüchtlinge
Rostock reaktiviert DDR-Block für 400 Flüchtlinge

Die Hansestadt Rostock plant die Wiedereröffnung einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in einem alten DDR-Block in Langenort 10, am äußersten Zipfel von Gehlsdorf Richtung Überseehafen. Die Stadt hat das Gebäude gemietet, der Vermieter muss es nun so herrichten, dass es als Unterkunft genutzt werden kann. Laut der Stadtverwaltung ist „der sukzessive Bezug des Objektes ab dem 1. April 2027, je nach Baustand“, vorgesehen. Doch noch liegen Immobilie sowie Grundstück brach und machen keinen einladenden Eindruck.

Ehemaliges Bürogebäude der Seereederei

Es muss noch viel passieren, bis die vorgesehenen 400 Flüchtlinge und Asylbewerber hier im nächsten Jahr einziehen können. „Die Investitionskosten sind in der monatlichen Miete für zehn Jahre kalkuliert. In Summe betragen die Kosten 5,4 Millionen Euro“, heißt es von der Stadt auf Anfrage dieser Zeitung. Das ehemalige Bürogebäude der Deutschen Seereederei wurde bereits schon einmal für einige Jahre als Gemeinschaftsunterkunft genutzt. Doch zum 31. Dezember 2022 erfolgte die abrupte Schließung nach einem heftigen Streit zwischen der Hansestadt und dem privaten Vermieter beziehungsweise Eigentümer.

Die Stadtverwaltung hatte damals massive bauliche Mängel, unter anderem Schimmelbefall, Wassereintritte sowie heruntergekommene Sanitäranlagen beklagt. Unter anderem musste gerichtlich sichergestellt werden, dass zumindest die Warmwasserversorgung aufrechterhalten blieb. Sozialsenator Steffen Bockhahn (parteilos) betonte damals, dass das Objekt aus Sicht der Stadt „nicht mehr bewohnbar“ war. Die Stadt befand sich mit dem Vermieter in einem Rechtsstreit über Mängel und Vertragsverhältnisse. Mittlerweile sei jedoch ein Eigentümerwechsel erfolgt, heißt es jetzt aus der Verwaltung.

Ortsbeirat fordert alternative Standorte

Der Ortsbeirat Gehlsdorf ist nicht erfreut über die Wiedereröffnung der Gemeinschaftsunterkunft. Der Ortsbeiratsvorsitzende Helge Horlitz (CDU) geht in einem Prüfauftrag sogar so weit, indirekt zu behaupten, die Hansestadt würde gegen das Integrations- und Teilhabegesetz MV verstoßen, da erhebliche Zweifel bestehen würden, „ob die gesetzlichen Zielsetzungen der Integration und gesellschaftlichen Teilhabe an diesem Standort in angemessener Weise erreicht werden können“. In dem Prüfauftrag an die Stadtverwaltung führt er – vermeintlich aus Sicht der Flüchtlinge und Asylbewerber – zahlreiche Argumente auf, die gegen den Standort Langenort 10 sprechen würden.

Zu den „erheblichen strukturellen Defiziten“ gehörten nach Ansicht des Ortsbeirats Gehlsdorf: die unzureichende Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, die fehlende und ungeklärte Versorgung mit Kita- und Schulplätzen, die abgelegene Lage mit eingeschränkten Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Integration, die erschwerte Teilhabe in Arbeit und Beruf aufgrund der Lage, die potenziellen Nutzungskonflikte mit angrenzender Wohn- und Gewerbebebauung sowie die erhebliche Gefahr der Segregation innerhalb des Wohngebietes und damit soziale Isolation der Geflüchteten. Der Ortsbeirat fordert deshalb „alternative Standorte für die Errichtung einer Gemeinschaftsunterkunft“.

Neuausrichtung der Flüchtlingsunterbringung

Der Block Langenort 10 soll nach dem Willen der Stadt Teil einer Neuausrichtung der Flüchtlingsunterbringung werden. Langfristig will sich die Verwaltung auf drei größere Einheiten konzentrieren, die im Bedarfsfall ergänzt werden können. Zu diesen drei Standorten zählen neben Langenort das ehemalige Elbhotel im Fritz-Triddelfitz-Weg und die Gemeinschaftsunterkunft Satower Straße. Diese Standorte sollen jeweils eine Kapazität von 400 Plätzen vorhalten, also insgesamt zirka 1200 Plätze. Die kleineren Unterkünfte sollen hingegen auch aus Gründen der Qualität der Leistungserbringung reduziert werden, so Sozialsenator Bockhahn.

Aktuell leben 1193 Menschen in den Gemeinschaftsunterkünften der Hansestadt. Weitere 1245 Flüchtlinge und Asylbewerber sind dezentral untergebracht. Die Zuweisungen seien im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig, heißt es aus der Verwaltung. Zum 31. August wurden Rostock 127 Asylbewerber zugewiesen. Weiterhin vom Land zugewiesen wurden seit Januar 83 Flüchtlinge aus der Ukraine.