Das Ernst-Barlach-Museum in Güstrow präsentiert eine Ausstellung mit Werken von Johanna Schütz-Wolff und Gerhard Marcks. Im Fokus stehen textile Arbeiten der Künstlerin und Skulpturen des Bildhauers. Die Schau beleuchtet die unterschiedlichen Bedingungen für männliche und weibliche Kunstschaffende in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Gute Resonanz und künstlerische Verbindungen
„Die Ausstellung Johanna Schütz-Wolff & Gerhard Marcks wird sehr gut angenommen“, sagt Christin Sobeck, Kuratorin der Schau. „Gerhard Marcks kennen viele – wenn auch nicht so viele wie Picasso“, ergänzt sie mit Blick auf die vorherige Ausstellung. Beide Künstler lehrten an der Burg-Giebichenstein in Halle und stellten 1931 gemeinsam in Dresden aus.
Nationalsozialismus und seine Folgen
Der Nationalsozialismus veränderte das Leben beider Künstler dramatisch. Marcks wurde in der NS-Propagandaschau „Entartete Kunst“ gezeigt, seine Werke beschlagnahmt. Nach seiner Entlassung 1933 zog er sich nach Ahrenshoop zurück. Schütz-Wolffs Arbeiten waren in deutschen Museen kaum vertreten. Nach dem Besuch der Ausstellung zerstörte sie 1938 aus Angst vor einer Hausdurchsuchung 13 ihrer frühen Bildteppiche. In Güstrow ist ein zerschnittener Wandteppich zu sehen.
Die Ausstellung zeigt formale Parallelen zwischen den Künstlern. Schütz-Wolffs Holzschnitt „Frau“ von 1925 erinnert an Barlachs Bronze „Trauer“. Auch Marcks’ Skulptur „Bekleidete Schwangere“ weist ähnliche geschlossene Formen auf.
Regionale Bezüge und kommende Ausstellungen
Schütz-Wolffs Enkelin, die Schmuckdesignerin Gabriele von Lehsten, lebt im Gutshaus Rothen bei Sternberg. Ein Gobelin in der Ausstellung ist eine Leihgabe der Kirchgemeinde Lohmen und wurde 2008 für das Haus der Stille in Bellin erworben. Ab November ist eine große Retrospektive von Schütz-Wolff in der Moritzburg Halle geplant, begleitet von einem umfangreichen Katalog.
Unterschiedliche Karrierewege
Die Ausstellung untersucht die Rollenbilder von Künstlern vor 100 Jahren. Frauen durften erst ab 1919 Kunsthochschulen besuchen; Schütz-Wolff blieb nur der Weg über Kunstgewerbeschulen. Marcks, Autodidakt, hatte früh Kontakt zu einflussreichen Persönlichkeiten wie Walter Gropius. Sobeck bemerkt: „Bei Künstlerinnen fallen mir nur wenige ein, hinter denen auch ein Museum und damit zahlreiche Kataloge stehen: Paula Modersohn-Becker oder Gabriele Münter.“ Doch das Werk von Frauen erfahre derzeit eine Renaissance.
Die Ausstellung im Barlach-Museum ist bis zum 6. September zu sehen. Ab dem 20. September zeigt das Museum mit „Revolte des Körperlichen“ eine zeitgenössische Position von Susanne Ring.