Sensationsfund: Augustinus-Predigten in Klosterhandschrift entdeckt
Sensationsfund: Augustinus-Predigten entdeckt

Der Bad Doberaner Forscher Paul Nebauer hat in einer mittelalterlichen Handschrift aus dem ehemaligen Zisterzienserkloster Doberan zwei bislang unbekannte Predigten des Kirchenvaters Augustinus entdeckt. Beim Durchsehen von mehr als 3000 Seiten stieß er in der Diözesanbibliothek im polnischen Pelplin auf einen roten Eintrag: „Sermo sancti Augustini“ – Predigt des heiligen Augustinus.

Wie der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Mecklenburg am Montag mitteilte, haben führende Augustinus-Forscher nach fast zwei Jahren Untersuchungen die Echtheit der Predigten bestätigt. Sogar vatikanische Medien berichteten bereits über den Fund.

Jahrelange Forschung an verstreuten Handschriften

Seit Jahren erforscht der Klosterverein Doberan die verstreuten Handschriften der einst bedeutenden Klosterbibliothek. In Pelplin, wo Teile der ehemaligen Bibliothek archiviert sind, konnte Nebauer mehrere Handschriften dem Kloster Doberan zuordnen. „Dieses ungewöhnliche Thema weckte meine Neugier und führte zu einer eingehenden Untersuchung der Predigten“, sagt Nebauer.

Da seine Kenntnisse des mittelalterlichen Lateins für eine abschließende Bewertung nicht ausreichten, wandte er sich an das Zentrum für Augustinus-Forschung in Würzburg. Dort begann die intensive wissenschaftliche Prüfung – mit dem Ergebnis im Mai: Beide Predigten stammen vom Kirchenvater. „Damit bestätigte sich eine Vermutung, die ich selbst kaum zu glauben gewagt hatte“, so Nebauer.

Saul und die Hexe von Endor

Die Texte behandeln die biblische Geschichte von König Saul und der Hexe von Endor. Vor einer Schlacht sucht Saul verbotenerweise eine Totenbeschwörerin auf, um den Ausgang der Schlacht zu erfahren. Dabei erscheint der verstorbene Prophet Samuel und kündigt Sauls Tod an, der tatsächlich eintritt.

Nach Einschätzung der Experten stellt Augustinus verschiedene Auslegungen der Geschichte vor, um die Zuhörer zum eigenen Nachdenken anzuregen. Noch in diesem Jahr sollen die beiden Predigttexte im internationalen Editionsprojekt „Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum (CSEL)“ veröffentlicht werden.