Die Welt kommt nach Warnemünde – doch das Ostseebad riskiert, seine größten Schätze zu versenken. Während die Kreuzfahrtgäste aus aller Welt das Fischerdorf lieben lernen, verschwinden die historischen Fischkutter vom Alten Strom. Ein neuer Blick auf ein altes Problem.
Ein Dorf, das die Welt empfängt
In Warnemünde treffen die Einheimischen, die Ruhe und Ordnung schätzen, auf Touristen, die das Meer suchen oder ein Stück DDR-Nostalgie erleben wollen. Dazu kommen die Kreuzfahrtreisenden, die in Mecklenburg-Vorpommern an Land gehen und als erstes Warnemünde sehen.
An manchen Tagen hört man im Ort viele Sprachen: Amerikanisch, Italienisch, Spanisch – die Welt wird hier als Gast serviert. Das ist ein touristischer Wettbewerbsvorteil für Rostock-Warnemünde. Andere Ostseebäder müssen viel Geld in Werbung investieren, doch Warnemünde bekommt die Welt frei Haus geliefert.
Ein Elfmeter für die Hansestadt
Menschen aus Texas oder Sevilla hätten sich ohne die Kreuzfahrt wohl nie auf den weiten Weg an die Ostseeküste gemacht. Doch dank der Schiffe lernen sie das kleine, idyllische Fischerdorf kennen und lieben. Bestenfalls schwärmen sie in ihrer Heimat von Warnemünde – vom Leuchtturm, vom Alten Strom, von den Kapitänshäusern. Diese Begeisterung verbreitet sich global und viral. Ein touristischer Elfmeter für die Hansestadt.
Doch etwas bedroht diesen Werbeeffekt. Über die schlechten Straßen in Warnemünde ist schon oft geschrieben worden. Weniger beachtet wird das Thema Fischkutter. Vor etwa 25 Jahren standen die Kutter am Alten Strom dicht an dicht – das hatte Seele und Charakter. Es war etwas Besonderes, maritimes Flair und Erbe.
Die Kutter verschwinden
Heute muss man die Kutter in Warnemünde beinahe suchen. Dabei sind sie es, die ausländische Besucher fotografieren wollen. Sie erzählen von der Geschichte des Ortes und machen Warnemünde unverwechselbar. Deshalb hofft der Autor, dass die Restaurierung des Fischkutters „Storkow“ gelingt. Ein junger Mann hat ihn für einen Euro erworben – nun ist mehr Geld nötig, um ihn wieder flottzumachen. Ebenso sollten die Bemühungen um den Erhalt des Fischkutters „Pasewalk“ Erfolg haben.
Es geht hier nicht um sentimentale Folklore. Diese Kutter dokumentieren, was Rostock-Warnemünde attraktiv und anziehend macht – sie sind symbolisches Kapital. Wenn man schon die ganze Welt zu Gast hat, vielleicht bald sogar Olympia, sollte man sich so attraktiv wie möglich präsentieren.