In Alt Meteln werden innerhalb von zwei Tagen 1.150 Schafe geschoren. Drei Schafscherer aus Polen erledigen die Arbeit, die eigentlich für vier Männer vorgesehen war. Am Ende der beiden Schurtage kommen rund 3,5 Tonnen Wolle zusammen.
Eigentlich sollten vier erfahrene Schafscherer anreisen, doch einer sagte kurzfristig ab. Ersatz war nicht zu finden. „Es wird auch in Polen immer schwieriger, gute Schafscherer zu finden“, erzählt Scherer Michael Pundt. Also stemmen drei Männer die Arbeit.
Zwei Minuten pro Schaf
Die Scherer arbeiten konzentriert und fast meditativ. Knapp zwei Minuten benötigt jeder für ein Schaf, rund 550 Tiere schaffen sie pro Tag. Diese Leistung ist nur mit jahrelanger Erfahrung möglich.
Die Schur erfolgt als Bodenschur, eine Technik, die weltweit als besonders tiergerecht und effizient gilt. Mit einem breiten Gurt hängen sich die Scherer in eine Metallkonstruktion, um Rücken und Schultern zu entlasten.
Wolle ist ein Minusgeschäft
Die Wolle aus Alt Meteln wird von der Friedrich Sturm GmbH & Co. KG aufgekauft, gesammelt, sortiert und gepresst, bevor sie überwiegend nach Asien exportiert wird. Verarbeitet wird sie zu Teppichen, Dämmstoffen, Füllmaterial oder einfachen Textilien.
„Wir bekommen wenigstens wieder etwas für die Wolle“, sagt Schäfer Jörg Pundt. „Aber das deckt nicht einmal die Kosten. Es gab Zeiten, da mussten wir die Wolle sogar verschenken.“ Das Bayerische Landesamt für Landwirtschaft beziffert den Erlös auf oft nur 30 bis 50 Cent pro Kilogramm, während die Schur etwa 3,70 bis 4,50 Euro pro Tier kostet.
Warum Schur nötig ist
Auf Kritik aus sozialen Netzwerken reagiert Jörg Pundt: „Wir sind gesetzlich verpflichtet, die Schafe einmal im Jahr zu scheren.“ Zu lange Wolle verliert ihren Halt, Wasser dringt bis auf die Haut, Ungeziefer hat leichteres Spiel. Der Sommer ist ideal, denn die Tiere frieren nach der Schur nicht.
Nach der Schur ziehen die 1.150 Schafe zurück auf die Weide. Die Herde ist nur eine von rund 66.400 Schafen in Mecklenburg-Vorpommern.