Warum ich gerne ein Besser-Wessi an der Ostsee bin
Warum ich gerne ein Besser-Wessi an der Ostsee bin

In seiner wöchentlichen Kolumne blickt ein Neu-Rostocker auf die anhaltende Teilung zwischen Ost und West – und auf die Reaktionen, die seine Ratschläge für Warnemünde ausgelöst haben.

Kritik an Tipps für Warnemünde

In der vergangenen Woche hatte der Autor empfohlen, alte Fischkutter wie die „Pasewalk“ und die „Storkow“ zu renovieren und am Alten Strom zu positionieren, um Touristen anzuziehen und ein maritimes Flair zu schaffen. Ein Leser kritisierte dies: Die Kutter hätten wenig mit der echten Warnemünder Fischerei zu tun, und der Autor komme aus den alten Bundesländern. Er solle Einheimischen nicht erklären, wie hier etwas zu funktionieren habe. Seit über 35 Jahren redeten und schrieben Menschen über den Osten, die nie Teil dieses Lebens und dieser Geschichte gewesen seien.

Die tiefe Teilung bleibt

Diese Mail zeige, wie tief die Teilung fast 37 Jahre nach dem Mauerfall noch oder wieder sitze, so der Autor. Kurz vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September erwarten Umfragen starken Zuspruch für AfD, BSW und Linke, was vielen Westdeutschen nicht behage. Auch der Autor sieht den Trend zu radikalen, Putin-nahen Parteien kritisch und fragt sich, ob eine ernsthafte Entkommunisierung nach der Wiedervereinigung der Demokratie besser getan hätte – in Anlehnung an die Entnazifizierung im Westen nach dem Zweiten Weltkrieg, etwa mit Transparenz über SED-Mitgliedschaften.

Ob dies dem sozialen Frieden geschadet hätte, lässt er offen. Vielleicht hätte es zu einer stabileren Demokratie geführt, statt zu einem Land, das auf der hohen See der Meldestellen und Empörungswellen schaukle wie ein alter Fischkutter.

Ideologische Verblendung und ein Appell

Der Autor kritisiert zudem den inflationären Gebrauch des Wortes „Faschist“, das unscharf für politisch Andersdenkende verwendet werde. Er verweist darauf, dass Faschisten in Italien existierten, während die Nazis sich Sozialisten nannten. Ein gebildeter Freund aus dem Osten habe sogar Konrad Adenauer als Faschisten bezeichnet – ein Zeichen nachhaltiger ideologischer Verblendung.

Die Bezeichnung Besser-Wessi stört den Autor nicht, der fast 20 Jahre in Polen gelebt hat und sich selbst als Super-Ossi betrachtet. Er schließt mit der Frage, ob es 37 Jahre nach der Wende nicht weder Ossis noch Wessis brauche, sondern ein geeintes, freiheitliches Deutschland.