Die beiden markanten Getreidesilos am Rostocker Stadthafen stehen vor einem Verkauf. Das bestätigt der Insolvenzverwalter Dr. Christoph Morgen von der Kanzlei Brinkmann & Partner. Die Bauwerke prägen seit mehr als 90 Jahren das Stadtbild.
Verkauf im Zuge des Insolvenzverfahrens
Der Verkauf erfolgt im Rahmen des Insolvenzverfahrens des Windkraftunternehmens Eno Energy. Morgen, der bereits als Insolvenzverwalter der MV Werften Gruppe tätig war, erklärt: „Wir sind derzeit dabei, beide Silo-Gebäude zu verkaufen. Das soll zeitnah geschehen. Wir sind bereits mit Interessenten in Gesprächen.“
Vor gut drei Jahren hatte Eno Energy das Bauprojekt „Rekonstruktion, Umbau und Erweiterung Silo 1“ gestartet. Geplant war ein Büro- und Geschäftshaus. Mit der Insolvenz kamen die Bauarbeiten zum Erliegen. Zuletzt waren dort nur noch Handwerker tätig, die Baugerüste an beiden Silos wurden abgebaut.
Baugenehmigung bleibt bestehen
Eine gültige Baugenehmigung liegt weiterhin vor. Das städtische Bauamt bestätigt: „Zu der Baustelle am Speicher Kempowski-Ufer 2/Am Strande 2d besteht eine gültige Baugenehmigung, der Baubeginn wurde am 09.02.2023 angezeigt.“ Genehmigt wurden die Rekonstruktion, der Umbau und die Erweiterung von Silo 1 sowie eine ebenerdige Parkplatzanlage.
Der Abbau der Baugerüste könnte zum Erhalt der Genehmigung beitragen. „Wenn die Bauausführung länger als ein Jahr unterbrochen ist, erlischt die Baugenehmigung“, so das Bauamt. Vorsorglich habe man den Bauherren darauf hingewiesen. Allerdings sei „der Rechtsrahmen hier eher weit“, sodass etwa der Abbau eines Baugerüstes als Aktivität auf der Baustelle zählen könne. Nach Kenntnis der Verwaltung sind die Bauarbeiten noch nicht länger als ein Jahr unterbrochen.
Historische Bedeutung des Silos
Das große Silo am Kempowski-Ufer wurde 1935 fertiggestellt. In die Backstein-Fassade sind ein Greif als Motiv und die Jahreszahl 1935 eingearbeitet. Gestaltet wurde der über 40 Meter hohe Bau von Paul Bonatz und Paul Schmitthenner.
Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege beschreibt das Bauwerk als „zu den herausragenden neuzeitlichen Dominanten im Stadtbild Rostocks“. „Erstmals bestimmte ein Bauwerk neben den Türmen der Hauptkirchen die Silhouette der Stadt“, heißt es dort. Der Silo gilt als Prototyp für viele nachfolgende Silobauten, darunter die sogenannten Reichstypenspeicher. Er dokumentiere „den hohen Rang der Nahrungsmittelbevorratung als Teil der nationalsozialistischen Kriegsvorbereitung.“
Historische Aufnahmen des Fotografen Karl Eschenburg aus dem Jahr 1937, aufbewahrt im Universitätsarchiv Rostock, zeigen das Silo als prägendes Element der Stadtsilhouette. Nun steht ein neues Kapitel in der Geschichte des Silos an.