Mecklenburg-Vorpommern hat ein neues Förderprogramm über zwei Millionen Euro für Stauwerke aufgelegt. Die Förderung umfasst die Grundsanierung bestehender Stauanlagen, Ersatzneubauten sowie die Errichtung neuer Anlagen einschließlich notwendiger Planungsleistungen, Genehmigungen und Wasserstandsmessstellen.
Ziel: Wasser länger in der Landschaft halten
Ziel ist es, insbesondere auf kohlenstoffreichen Moorstandorten die Voraussetzungen für höhere Wasserstände zu schaffen und damit Wasser länger in der Landschaft zu halten, informierte das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt von Mecklenburg-Vorpommern.
„Wasser ist unsere wichtigste Zukunftsressource. Jeder Liter, den wir heute in der Landschaft halten, stärkt den Moorklimaschutz, hilft der Landwirtschaft, schützt unsere Gewässer und macht Mecklenburg-Vorpommern widerstandsfähiger gegen Dürre und Starkregen“, so Minister Till Backhaus (SPD).
Viele Stauwerke sind 50 Jahre und älter
Laut Ministerium gibt es in Mecklenburg-Vorpommern etwa 7.000 dieser Stauanlagen. Davon seien etwa zwei Drittel sanierungsbedürftig. Derzeit sei für 48 Anlagen die Förderung bewilligt. Etwa 65.000 Euro erhielt der Wasser- und Bodenverband Obere Havel/Obere Tollense mit Sitz in Neubrandenburg. Dort gibt es eine Reihe sanierungsbedürftiger Stauwerke, die vor rund 50 Jahren im Rahmen von Meliorationsmaßnahmen gebaut wurden.
Modder und Kraut statt Wasser ist in einem Graben nahe Roggentin bei Mirow (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) zu sehen. Ingenieur Stefan Schüler misst einen Wasserstand von 23 Zentimetern. Dabei müssten es mindestens 60 Zentimeter sein: „Wir haben hier massive Probleme bei dieser Anlage, eine starke Korrosion, die Tafeln des Korpus sind durchgerostet, die Stauplatte ist absolut nicht mehr dicht.“ Hier bestehe akuter Handlungsbedarf, mahnt Schüler. Das Wasser, das hier gestaut werden müsste, fließe in den Jätensee ab, der auch die Havel speist. Die hätte immer Wasserbedarf, schon wegen der Schleusen, weiß Schüler.
Deshalb sind er und sein Geschäftsführer Toni Hauck sehr dankbar, dass es jetzt ein Förderprogramm des Landes gibt: „Wenn diese Staue nicht funktionieren, dann habe ich natürlich weniger Wasser in der Landschaft, dadurch geringeres Wachstum. Das Moor wird mehr entwässert. Ich habe quasi einen Nährstoffverlust in der Fläche.“
Stauwerke schützen Moore und vermeiden Kohlendioxid
Die Stauwerke erfüllen mehrere Funktionen zugleich. Sie halten Wasser für die Äcker bereit, sie befeuchten das umliegende Niedermoor, damit es nicht austrocknet. Denn dann würde es für die Umwelt schädliches Kohlendioxid freisetzen: „Umso länger wir diesen Wasserstand halten, umso weniger sackt das Moor ab, die Entwässerung wird aufgehalten, umso mehr erhalten wir die Moore, umso mehr CO2 können wir natürlich drin speichern“, so Toni Hauck.
Das Förderprogramm sei auch gut für die Eigentümer der Flächen und die Gemeinden, die damit weniger Kosten hätten: „Die kleineren Reparaturen fallen weg, weil die Stauwerke erst mal eine Weile wieder funktionstüchtig sind, ohne dass man sie sanieren muss. Und diese Kosten, die werden natürlich durch Beitragsmittel getragen. Diese Reparaturkosten, die entfallen ja dann“, sagt Toni Hauck.
Die Wasser- und Bodenverbände finanzieren sich nach dem Solidarprinzip aus den Beiträgen der Eigentümer der Flächen und der Gemeinden. Sie tragen die Verantwortung für die Funktionstüchtigkeit der Stauwerke in Abstimmung mit den jeweiligen Besitzern der überwiegend landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ob es künftig eine weitere Förderung geben wird, ist laut Ministerium noch unklar.