Geburtenrückgang in der Seenplatte: Kitas und Tageseltern unter Druck
Geburtenrückgang: Kitas und Tageseltern unter Druck

In der Mecklenburgischen Seenplatte werden jedes Jahr Hunderte Kinder zu wenig geboren. Bis zum Jahr 2030 geht eine Bevölkerungsprognose von einem Geburtenrückgang um fast ein Viertel aus. Die Folge: Jede vierte der derzeit 192 Kindertageseinrichtungen hat freie Plätze, elf wurden in den vergangenen fünf Jahren geschlossen, fünf weitere stehen aktuell vor der Schließung. Die Situation ist beängstigend für viele, die mit Kindern arbeiten, und für manche Eltern, die kleine Kinder haben.

Kita-Konferenz berät über Zukunft

Bei einer ersten Kita-Konferenz des Landkreises waren jetzt Vertreter aus Verwaltung, Politik und Betreuung in Neubrandenburg zusammen gekommen, um Lage und Entwicklung zu analysieren und mögliche Schritte abzuleiten. Das Fazit von Sozialdezernent Michael Löffler: „Gemeinsames Ziel ist, auch unter Berücksichtigung der Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit, die Sicherstellung eines genügenden Bestandes an Einrichtungen und Diensten, um den Bedarf zu decken“, erklärte er auf Nachfrage von Enrico Schult von der AfD-Kreistagsfraktion.

Erzieherinnen und Erzieher, die in der Kindertagespflege keine Stellen mehr finden, bekämen vor allem im schulischen Bereich eine Perspektive, zum Beispiel als Schulsozialarbeiter oder unterstützende pädagogische Kräfte. Löffler erinnerte zudem an den neuen „Mindestpersonalschlüssel“ für Kitas, wonach ab 2027 eine Fachkraft im Durchschnitt fünf Kinder betreut statt bisher sechs. Darauf hatten sich die Landesregierung, der Landkreistag, Vertreter eines Volksbegehrens, Gewerkschaften und andere Beteiligte im Mai verständigt.

Tageseltern in Existenznot

Mario Radfeld von der Kindertagespflege „Die Feldhasen“ hilft das wenig. Der selbstständige Kinderpfleger hatte schon mehrfach im Kreistag und bei Ausschüssen vorgesprochen. Seit 21 Jahren ist der Röbeler in der Kinderpflege beschäftigt, betreibt die Tageseinrichtung zusammen mit seiner Frau.

„Man nimmt uns die Existenz“, machte der Unternehmer den Kommunalpolitikern bei einer ihrer letzten Sitzungen vor der Sommerpause deutlich. Er habe die Erlaubnis, vier Kinder zu betreuen, bekomme aber nur noch drei zugewiesen. Seine Frau habe eine Erlaubnis für fünf, dürfe aber nur noch vier Kinder beaufsichtigen. „Wir können nicht mal mehr Mindestlohn erwirtschaften.“ Dabei seien beide pädagogische Fachkräfte. Er habe den Eindruck, dass der Landkreis Tagespflegestellen schließe, um Kindertageseinrichtungen zu retten.

Michael Löffler wiederum verwies auf ein „sehr komplexes Prüfverfahren“, das noch nicht beendet sei. Er wolle Mario Radfeld schriftlich antworten.

Auslastung sinkt besonders bei Krippen

Die Trägerlandschaft indessen werde sich „aufgrund der rückläufigen Kinderzahlen weiter verändern“, sagte er. Das lasse sich nicht vermeiden, sei bereits in vollem Gang. Von derzeit insgesamt 18.608 genehmigten Betreuungsplätzen in der Seenplatte seien 16.476 Plätze belegt, Tendenz abnehmend.

Dies entspreche einer Gesamtauslastung von 88,54 Prozent, wobei Horte und Kindergärten mit jeweils 93 Prozent Auslastung die Zahl derzeit noch oben halten. Die Entwicklung der kommenden Jahre lasse sich hingegen ganz klar an den Krippenplätzen ablesen. Die Einrichtungen für die Allerkleinsten seien aktuell zu knapp 70 Prozent ausgelastet.

In absoluten Zahlen sehe das so aus. Bei Krippenplätzen waren im Jahr 2021 noch 2850 belegt, im Jahr 2025 waren es 2367. Noch nicht ganz so drastisch ist der Rückgang bislang bei den Kindergartenplätzen für die etwas älteren Kinder. Die wurden im Jahr 2021 von 7342 Mädchen und Jungen in Anspruch genommen, im Jahr 2025 waren es immerhin noch 7295.

Schließungen und Neueröffnungen

In den vergangenen Jahren bereits ersatzlos geschlossen wurden nach Auskunft von Michael Löffler das „Spielhaus“ in Siedenbrünzow bei Demmin, die „Schloss-Kinner“ in Remplin nahe Malchin, die „Krümelkiste“ in Lindenhof bei Demmin, die Kita „Bummi“ in Burg Stargard, das „Strelitzer Spatzennest“ in Neustrelitz, die Ballwitzer „Landknirpse“ bei Burg Stargard, die „Stoppelhopser“ in Bollewick, die „Glückskäfer“ in Schwinkendorf zwischen Malchin und Waren, die „Müritzmäuse“ in Gotthun bei Röbel, die Kita „Zum Tannenwald“ in Waren und der Hort der Sprachheilschule in Neubrandenburg.

Bedroht oder schon zu sind auch die „Wasserflöhe“ in Utzedel bei Demmin, die „Dorfstrolche“ in Faulenrost bei Malchin, das „Luise Scheppler-Haus“ in Ivenack bei Stavenhagen, die Kita „Klitze-Klein“ in Waren und die Kita Am Koppelberg in Roggentin bei Mirow. Um einige der Einrichtungen wird noch gekämpft. So gibt es in Roggentin eine Elterninitiative, die nichts unversucht lässt, und in Faulenrost sucht die Gemeinde einen neuen Träger.

Es gibt aber auch 13 Einrichtungen, die trotz des anhaltenden Geburtenrückgangs in den vergangenen fünf Jahren neu eröffnet wurden oder neu gebaut haben: die „Natur-Talente“ in Altentreptow, die „Siebenschläfer“ in Demmin, den „Wald- und Wiesenhort“ in Tückhude bei Demmin, die „Hoppetosse“ in Demmin, den „Drachen-Hort“ in Peckatel bei Neustrelitz, den Hort des Kinderhauses „Murkelei“ in Feldberg, die „Zaubermühle“ in Woldegk, die Kita Am Papiermühlenweg in Burg Stargard, das Hortzentrum Schülergarten in Malchow, die „Zauberburg“ in Penzlin, die „Müritz-Entdecker“ in Röbel, das Peenehus in Groß Gievitz bei Waren und den Hort Am Reitbahnsee in Neubrandenburg.