Überfüllte Regionalzüge sind in Mecklenburg-Vorpommern keine Seltenheit. Neue Zahlen der Deutschen Bahn zeigen, dass das Problem deutlich größer ist als bislang angenommen. Allein im Jahr 2025 erfasste die Bahn 432 Fälle „mit zurückgebliebenen Reisenden oder massiv überbesetzten Zügen“. Der Schwerpunkt lag in den Sommermonaten auf den Linien RE1 (Rostock – Schwerin – Hamburg), RE3 (Berlin – Angermünde – Stralsund) und RE5 (Berlin – Neustrelitz – Neubrandenburg/Rostock). Hinzu kommen 26 weitere Fälle auf Linien des privaten Betreibers ODEG.
CDU wirft Landesregierung Planlosigkeit vor
Die CDU-Abgeordnete Sabine Enseleit hatte die Zahlen durch eine Kleine Anfrage an die Landesregierung erfragt. Für die Jahre vor 2025 gibt es keine konkreten Daten. CDU-Chef Daniel Peters spricht von „täglich grüßt der Kollaps auf dem Gleis“ und kritisiert, dass Verkehrsunternehmen nicht verpflichtet seien, Überfüllungen zu melden. „Den Verkehrsunternehmen werden keine vertraglichen Meldepflichten für Kapazitätsengpässe auferlegt, das Land ist absichtlich ahnungslos“, so Peters. Er fordert eine Strategie zur Bewältigung der Engpässe.
Landesregierung verweist auf Mobilitätsoffensive
Die Landesregierung räumt in der Antwort ein: „Die Landesregierung hält die derzeitigen Kapazitäten für touristisch nachgefragte Verbindungen nicht in jedem Fall für ausreichend.“ Zugleich verweist sie auf Angebotserweiterungen im Rahmen der „Mobilitätsoffensive“. Auf der Linie RE3 (Berlin – Angermünde – Stralsund) wurde ein durchgehender Stundentakt eingerichtet, der die Kapazität nahezu verdoppelt habe – ganzjährig, nicht nur in der Saison. Verkehrsminister Wolfgang Blank (parteilos) betont, das Land habe „so stark wie nie zuvor in neue Angebote und mehr Kapazitäten auf der Schiene investiert.“
Deutschlandticket als Treiber der Nachfrage
Sowohl das Verkehrsministerium als auch die Deutsche Bahn verweisen auf das Deutschlandticket, das seit 2023 zu einer Steigerung der Fahrgastzahlen von bis zu 40 Prozent geführt habe. Gleichzeitig hätten sich die Kapazitäten der Strecken sowie die Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Personal nicht erhöht. Die Bahn rät Fahrgästen, auf Auslastungshinweise in Buchungssystemen zu achten und schwächer nachgefragte Verbindungen zu wählen – etwa unter der Woche statt am Wochenende.
Strukturelle Probleme: Gleise, Personal, Bahnsteige
Abhilfe ist schwierig: Auf vielen Strecken fehlen Gleiskapazitäten für häufigere Züge, und es mangelt an Personal und Fahrzeugen. Längere Züge einzusetzen, ist kaum möglich, weil viele Bahnsteige in den vergangenen Jahrzehnten zu sehr verkürzt wurden.
Erst vor wenigen Tagen stellte die Bahn einen neuen Doppelstock-Triebwagen vor, der ab 2027 auf den Hauptstrecken eingesetzt werden soll. Der Zug hat zwar mehr Klappsitze, aber weniger „echte“ Sitze als die Vorgänger. Die Züge werden frühestens ab Dezember 2027 im Einsatz sein – mindestens ein Jahr später als geplant.
Minister Blank: Ziel ist mehr Kapazität
Wirtschaftsminister Wolfgang Blank formuliert das Ziel der Landesregierung: „Schritt für Schritt mehr Kapazität schaffen, damit möglichst jeder Fahrgast zuverlässig und entspannt mit der Bahn in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs ist.“ Wichtig sei, dass der Bund die nötigen finanziellen Mittel bereitstellt. Gemeinsam mit anderen Ländern setze man sich für die Erhöhung der Regionalisierungsmittel ein.