Unter dem Motto „Schwerin und Frankreich – Ein Fest der Demokratie“ hat die Volkshochschule in die Aula der historischen Schelfschule eingeladen. Im Mittelpunkt stand das Gespräch zwischen der Buchautorin Nadia Pantel und dem Journalisten Norbert Carius. Pantel war einst Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung in Paris, Carius berichtete für die ARD aus der Metropole. Beide blickten auf „Das Camembert-Diagramm“, das aktuelle Buch von Pantel.
Brot als Gesellschaftsphänomen
Pantel erläuterte, dass das deutsche Brot seit 2014 von der Unesco als Weltkulturerbe gelistet ist, das französische Baguette seit 2022. Während Deutschland viele Brotsorten habe, gelte in Frankreich: „Ein Land, ein Brot.“ Das Baguette sorge für gesellschaftlichen Zusammenhalt, weil es nur frisch gut schmecke. „Wer Baguette liebt, muss jeden Tag zum Bäcker und das hilft gegen Trübsinn und Einsamkeit“, so die Autorin.
Essen und Erziehung
Im sechsten Kapitel ihres Buches widmet sich Pantel dem „Pain au Chocolat und Kindererziehung“. Sie berichtete von einem Goûter, einem süßen Nachmittagssnack, der Kindern in Frankreich täglich um 16 Uhr gereicht wird. Dem stellte sie den Klassiker auf deutschen Spielplätzen gegenüber: zwei gefüllte Tupperdosen mit Apfelscheiben und Dinkelkeksen. In Frankreich werde der Tag ums Essen geplant, während Deutsche das Essen in den Tagesablauf quetschten.
Politische Einordnung
Norbert Carius lenkte den Fokus auf die bevorstehende Landtagswahl sowie die Präsidentschaftswahl in Frankreich im April 2027. Pantel sagte, dass die AfD deutlich radikaler sei als Marine Le Pen und ihre Anhänger. Im Kapitel „Steak Frites und Nationalismus“ schreibt sie: „Le Pen ist es gelungen, sich in Frankreichs politischer Landschaft zu positionieren, wie ein Fettauge auf der Suppe. Egal, was passiert, sie schwimmt immer oben.“ Sie habe Le Pen mehrfach als Reporterin begleitet und beschreibt es als Begleitung eines Popstars.
Städtepartnerschaft in Sicht
Kulturdezernent Silvio Horn lotete in der VHS aus, ob eine Partnerschaft zwischen Schwerin und einer französischen Stadt gewünscht ist. Er zählte 44 Frankreich-Fans, von denen sich viele spontan bereit erklärten, einen Verein mit dem Ziel einer Städtepartnerschaft zu gründen. Wohin genau die Reise führen soll, blieb an diesem Abend noch offen.