Nach den jüngsten Vorfällen am Schweriner Markt und Schlachtermarkt schließen sich Mitarbeiter eines Cafés aus Angst ein. Drei junge Männer wurden bei einer Auseinandersetzung mit Messern verletzt. Die Ereignisse am vergangenen Wochenende beschäftigen auch diejenigen, die hier täglich bis in die späten Abendstunden arbeiten.
163 Polizeieinsätze – aber kein Schwerpunkt bei Körperverletzungen
Am Samstagabend, 8. August, gegen 23 Uhr wurde die Polizei zum Schlachtermarkt gerufen. Dort trafen die Beamten auf drei Männer im Alter von 18, 21 und 22 Jahren mit Schnitt- beziehungsweise Stichverletzungen. Die Verletzten kamen ins Krankenhaus, zwei bislang unbekannte Tatverdächtige sollen geflüchtet sein. Innerhalb weniger Stunden musste die Polizei mehrfach wegen körperlicher Auseinandersetzungen in die Innenstadt ausrücken, eine davon vor dem Säulengebäude am Markt.
Von Januar bis einschließlich Juli 2026 registrierte die Polizei dort insgesamt 163 Einsätze. In 54 Fällen wurden Straftaten aufgenommen. Sieben Anzeigen betrafen Körperverletzungen oder gefährliche Körperverletzungen. Allein wegen unzulässigen Lärms rückte die Polizei 45-mal aus. Die Polizei betrachtet Markt und Schlachtermarkt zwar wegen wiederkehrender Ordnungswidrigkeiten als Schwerpunkt, einen besonderen Schwerpunkt bei Körperverletzungsdelikten sieht sie anhand der bisherigen Zahlen jedoch nicht.
Neue Polizeiwache und Kameras am Marienplatz zeigen Wirkung
Der Marienplatz, der lange besonders im Fokus der Sicherheitsdebatte stand, wird inzwischen von einer festen Polizeistation und 24 Kameras überwacht – als bislang einziger Ort in Mecklenburg-Vorpommern. Gut zwei Monate nach Eröffnung der Wache zog die Polizei eine erste vorsichtige Bilanz und berichtete von einem leichten Rückgang der registrierten Straftaten am Marienplatz. Für einen belastbaren Trend sei der Zeitraum allerdings noch zu kurz.
Ob sich problematische Bereiche dadurch tatsächlich vom Marienplatz in andere Teile der Innenstadt verlagern, lässt sich anhand der bisherigen Zahlen nicht belegen. Die jüngsten Vorfälle sorgen jedoch dafür, dass nun Markt und Schlachtermarkt stärker wahrgenommen werden.
„Ja, manche Mitarbeiter haben Angst“
Martin Neuhaus, Betreiber des Café Löwe am Markt, hat die jüngsten Vorfälle unmittelbar vor der eigenen Tür erlebt. „Wir hatten keine Gäste mehr, als es losging. Unsere Mitarbeiter waren am Saubermachen und haben sich dann eingeschlossen, als es ihnen zu gefährlich wurde“, berichtet Neuhaus. „Ja, manche Mitarbeiter haben Angst.“
Am Abend plant der Betreiber deshalb grundsätzlich so, dass niemand allein arbeiten muss. „Ich habe am Abend immer mindestens zwei Leute, damit keiner allein ist, davon immer mindestens ein Mann.“ Früher schließen möchte Neuhaus deswegen jedoch nicht. „Der Marktplatz soll ja das lebendige Wohnzimmer von Schwerin sein und nicht zur No-Go-Area werden.“
Café-Betreiber fordert Kameras auf dem Markt
Neuhaus, der für Bündnis 90/Die Grünen in der Schweriner Stadtvertretung sitzt, will die Videoüberwachung auf seinen eigenen Betriebsflächen weiter ausbauen. „Auch wenn ich das datenschutzrechtlich nicht toll finde“, wolle er diesen Schritt gehen. Gleichzeitig hofft er, dass auch die Stadt öffentliche Bereiche des Marktes künftig mit Kameras überwacht. Als Beispiel nennt er Dänemark. Ob eine solche Videoüberwachung rechtlich möglich wäre und von der Stadt überhaupt erwogen wird, ist damit allerdings nicht geklärt.
Alyssa Voigt, Betreiberin des A.B. Coffee in der Schlossstraße, macht sich vor allem wegen ihrer vielen jungen Mitarbeiter Gedanken. Im Team sei klar abgesprochen, dass sie bei aggressiven oder auffälligen Personen nicht selbst eingreifen, sondern einen der Betreiber hinzuholen sollen. „Uns ist wichtig, dass gerade die Jüngeren gar nicht erst das Gefühl haben, sie müssten in irgendeiner unangenehmen Situation selbst reagieren“, sagt Voigt. Tagsüber fühle sie sich in der Innenstadt weiterhin wohl, „aber abends oder nachts ist das mittlerweile schon ein anderes Gefühl“.
Gelassener sieht es ein Mitarbeiter eines Spätkaufs: „Ich fühle mich sicher.“ Das Geschäft verfüge über eine eigene Kamera, die meisten Vorfälle spielten sich ohnehin draußen ab. Dennoch sagt auch er: „Schön ist das aber nicht.“ Auch eine stärkere Polizeipräsenz hat er wahrgenommen, glaubt aber nicht, dass dadurch sämtliche Auseinandersetzungen verhindert werden können. „Dann treffen die sich halt woanders. Wer Streit sucht, wird welchen finden.“
Die Schweriner Kommunalpolitik beschäftigt sich inzwischen ebenfalls mit der Sicherheitslage. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI hat eine umfassende Sicherheits- und Gefährdungsanalyse für Markt und Schlachtermarkt beantragt. Untersucht werden sollen unter anderem Art, Häufigkeit und zeitliche Verteilung der Vorfälle sowie mögliche Maßnahmen. Über den konkreten Weg wurde anschließend weiter beraten; auch SPD und AfD brachten eigene Vorschläge ein.