Mecklenburg-Vorpommern erzeugt mehr als doppelt so viel Strom aus erneuerbaren Quellen wie es verbraucht. Dennoch profitieren Haushalte und Unternehmen nicht automatisch von niedrigen Preisen, da hohe Netzentgelte anfallen. Die Parteien haben im Wahlkampf unterschiedliche Konzepte vorgelegt, wie die Energiewende vor Ort spürbar werden soll.
SPD: Bürgerbeteiligung und Direktleitungen
Die SPD will die finanzielle Teilhabe von Anwohnern und Kommunen an Windrädern und Solarparks weiter ausbauen, etwa durch Energiegenossenschaften. Direktleitungen von Erzeugern zu Unternehmen sollen erleichtert werden, „um Netzkosten für Produzenten und Verbraucher zu reduzieren“. Zusätzliche Umlagen auf den Strompreis lehnt die SPD ab. Die Partei setzt auf Wind, Sonne, Biogas, Geothermie, Batteriespeicher und grünen Wasserstoff.
AfD: Kernenergie und russisches Pipeline-Gas
Die AfD fordert den Wiedereinstieg in die Kernenergie. Stillgelegte Atomkraftwerke sollten „so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen werden“. Im Bundesrat wolle man sich dafür einsetzen, dass Deutschland den pauschalen Ausschluss der Kernenergie aufgibt. Im Wärmesektor setzt die Partei auf fossile Brennstoffe: Jeder solle selbst entscheiden können, wie er heizen will – etwa mit Gas „bevorzugt aus Pipelines“ oder Heizöl. Der noch intakte Strang der russischen Pipeline Nord Stream 2 solle wieder in Betrieb gehen. Den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien lehnt die AfD weitgehend ab.
CDU: 30-Euro-Bonus pro Einwohner
Die CDU verspricht einen jährlichen Pauschalbetrag von 30 Euro pro Einwohner, den sogenannten „MV-Bonus“. Eine vierköpfige Familie würde demnach um rund 120 Euro im Jahr entlastet. Menschen in Regionen mit Windkraftanlagen sollen direkte Stromgutschriften bekommen. Energy-Sharing und Selbstversorgungsmodelle sollen gestärkt werden. Beim Ausbau setzt die CDU auf „Augenmaß“ und Bürgerbeteiligung; ältere Windkraftanlagen sollen durch moderne Modelle am selben Standort ersetzt werden.
Linke: Übergewinnsteuer und Energieberatung
Die Linke will sich auf Bundesebene für eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne einsetzen. Die Energiewende könne „nur gelingen, wenn sie bezahlbar bleibt“. Die Partei stellt den sozialen Ausgleich in den Mittelpunkt, fordert sozial gestaltete Energiepreise und den Abbau ungerechtfertigter Industrierabatte. In den Verbraucherzentralen soll die Energieberatung ausgebaut werden. Für Kunden mit Zahlungsschwierigkeiten wird die Einführung „bezahlbarer Raten“ gefordert; Energie- und Wasserversorger sollen verpflichtet werden, Versorgungssperren wieder aufzuheben.
Grüne: Netzentgeltbefreiung und Balkonsolar
Die Grünen wollen den Ausbau von Wind- und Solarenergie „mit klaren und beschleunigten Verfahren“ vorantreiben. Haushalte im unmittelbaren Umfeld von Windenergie- und Freiflächen-Photovoltaikanlagen sollen vollständig von den Netzentgelten befreit werden – laut Rechenbeispiel könne dies die Strompreise um bis zu einem Viertel senken. Das Förderprogramm für Balkonsolaranlagen soll neu aufgelegt werden. Im Landesklimaschutzgesetz soll eine Erneuerbaren-Energie-Quote von 65 Prozent für neue Heizungen verankert werden.
FDP: Markt und Emissionshandel
Die FDP setzt auf den weltweiten Emissionshandel, „durch den der CO₂-Ausstoß global und in allen Sektoren einen einheitlichen Preis bekommen soll“. Einen festen Stromrabatt oder einen Landeszuschuss nennt die Partei nicht. In Mecklenburg-Vorpommern will die FDP das Beteiligungsgesetz für Bürger an Windkraft- und Solaranlagen praktikabel anpassen, damit betroffene Bürger und Gemeinden „tatsächlich und spürbar partizipieren können“. Subventionen sollen durch marktwirtschaftliche Mechanismen ersetzt werden.
BSW: Pipeline-Gas aus Russland und kommunale Beteiligung
Das BSW setzt sich für die „gezielte Förderung“ von Bürger-Solar- und Bürger-Windparks mit verbindlicher kommunaler Beteiligung ein. Betroffene Kommunen sollten ohne zusätzliche Beantragung an den Erträgen beteiligt werden. Die Partei fordert eine bundesweite Angleichung und Senkung der Netzentgelte, um regionale Benachteiligungen zu beenden. Regional erzeugter Strom soll möglichst vor Ort verbraucht und direkt vom Erzeuger an Stadtwerke und Verbraucher verkauft werden können. Beim Gas fordert das BSW die Wiederaufnahme direkter Lieferungen aus Russland; dafür sollen die gesprengten Nord-Stream-Leitungen repariert und wieder genutzt werden.