Weiße Hemden an Ortsschildern: Rätsel um „Das letzte Hemd“ in MV
Rätsel um „Das letzte Hemd“ in MV

In Plate, Kirch Stück und Schwerin sind an Ortseingangsschildern weiße T-Shirts mit der Aufschrift „Das letzte Hemd“ aufgetaucht. Die Polizei hat die Aktion registriert, sieht aber derzeit keinen strafrechtlich relevanten Verstoß. Wer hinter der stillen Protestaktion steckt, ist bislang unbekannt.

Hemden flattern an Ortsschildern

Die weißen T-Shirts hängen an den Ortsschildern von Plate, Kirch Stück und Schwerin. Sie tragen keine Parteizeichen, keine Logos, keine Namen – nur die schlichte Aufschrift „Das letzte Hemd“. Die Aktion ist bundesweit zu beobachten, auch in anderen Regionen Deutschlands tauchten die Shirts auf.

Bereits vor gut zwei Jahren hatten Unbekannte Gummistiefel an Ortsschildern befestigt, manchmal mit einem Kreuz darauf. Die Stiefel galten als stille Warnung vor dem Höfesterben und als Protest gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Die jetzigen Hemden gehen näher an den eigenen Körper: Wer sein „letztes Hemd“ hergeben muss, hat nichts mehr übrig.

Interpretationsspielraum und politische Spur

Die Redewendung „Das letzte Hemd hat keine Taschen“ bedeutet, dass man am Ende nichts mitnehmen kann. „Sein letztes Hemd hergeben“ steht dafür, alles zu opfern. Was die unbekannten Urheber in Mecklenburg-Vorpommern damit ausdrücken wollen, bleibt offen. In anderen Bundesländern wurden die Hemden teilweise dem rechten politischen Spektrum zugeordnet – für MV gibt es dafür keinen belastbaren Beleg.

In Schleswig-Holstein wird die Aktion dem Umfeld der Gruppe „Schleswig-Holstein steht auf“ zugerechnet. Die Gruppe bezeichnet sich selbst als überparteilich, ihre Forderungen und personellen Verbindungen sind jedoch Gegenstand politischer Einordnungen und Kritik. In Mecklenburg-Vorpommern hat sich bislang weder eine Organisation noch eine Privatperson zu der Aktion bekannt.

Polizei prüft Verkehrssicherheit

Die Polizei kennt die Aktion, auch aus dem Raum Güstrow wurden bereits Hemden an Ortsschildern gemeldet. „Der Staatsschutz hat die Aktion im Blick. Es gibt aber aktuell keine Ermittlungen“, sagt Sophie Pawelke, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock. Die Polizei werde prüfen, ob durch die Befestigung der T-Shirts Verkehrszeichen verdeckt oder in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden, so Pawelke. Einen entsprechenden Hinweis habe es bislang nicht gegeben.

Solange die Hemden keine Verkehrszeichen verdecken, beschädigen oder deren Wirkung beeinträchtigen, sieht die Polizei keinen strafrechtlich relevanten Verstoß. Auch die Straßenverkehrsordnung setzt Grenzen: Einrichtungen dürfen Verkehrszeichen nicht gleichen, mit ihnen verwechselt werden können oder ihre Wirkung beeinträchtigen. Die weißen T-Shirts flattern also weiter im Wind – eine Botschaft ohne Unterschrift, die viel Raum für Interpretation lässt.