Eine Mehrheit der Menschen in Mecklenburg-Vorpommern spricht sich dafür aus, wieder Öl und Gas aus Russland zu beziehen. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA Consulere für den Nordkurier. 51 Prozent der Befragten antworteten mit „eher ja“, 35 Prozent mit „eher nein“. 14 Prozent machten keine Angabe oder wussten nicht.
Befragung von 1000 Wahlberechtigten
INSA Consulere befragte im Zeitraum vom 4. bis 11. August 1000 Wahlberechtigte ab 16 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern. Die Befragung ist repräsentativ, die maximale Fehlertoleranz liegt bei plus/minus 3,1 Prozent. Im März hatten sich 50 Prozent für und 34 Prozent gegen Energie aus Russland ausgesprochen. Die Zahl der Befürworter ist demnach leicht gestiegen, ebenso die der Skeptiker.
AfD fordert Nord Stream 2, SPD setzt auf Entlastung
AfD-Landessprecher Enrico Schult plädiert für die Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Leitungen und den Bezug von russischem Öl über das PCK Schwedt. Gute Handels- und Wirtschaftsbeziehungen könnten als Verhandlungsmasse für einen Friedensvertrag zwischen Russland und der Ukraine dienen und die Energiepreise senken.
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) betont dagegen, dass Bürger und Unternehmen Entlastung bei den Energiepreisen brauchen. „Dafür habe ich mich immer eingesetzt. Und dabei bleibt es auch.“ Zum Thema Russland sagt sie: „Unser Land sorgt über den Hafen Rostock mit dafür, dass Ostdeutschland mit Öl versorgt wird. Das Problem mit Russland ist, dass Putin leider seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortsetzt.“
Unterschiede nach Parteipräferenz und Wohnort
Die Haltung zum Thema Energie aus Russland hängt stark von der Parteipräferenz ab. 81 Prozent der AfD- und 88 Prozent der BSW-Wähler sind dafür. Dagegen sind 93 Prozent der Grünen-, 72 Prozent der FDP- und 56 Prozent der Linken-Anhänger. Bei SPD-Wählern sind 38 Prozent dafür und 56 Prozent dagegen, bei CDU-Anhängern 55 zu 35.
INSA-Chef Hermann Binkert sieht in den Zahlen eine mögliche Schnittmenge zwischen AfD- und CDU-Wählerschaft. Auch das Wohnumfeld spielt eine Rolle: In ländlichen Regionen sind 47 Prozent für russisches Gas, 44 Prozent dagegen. In Städten liegt der Anteil der Befürworter bei 55 Prozent, der der Gegner bei 28 Prozent.
Nord Stream 2 AG klagt gegen EU-Sanktionen
Die Nord Stream 2 AG mit Sitz in Zug (Schweiz) klagt gegen die EU-Sanktionen, konkret gegen eine Verordnung, die das Betreiben der Pipeline untersagt. Das Verfahren ist beim Europäischen Gericht in Luxemburg anhängig und könnte Jahre dauern. Vertreter der Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern hatten sich wiederholt für die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 ausgesprochen. Gerold Jürgens, Präsident des Unternehmerverbandes Vorpommern, erklärte, eine solche Lösung „wäre für unsere Region auch gut“.