Umfrage: Mehrheit in MV befürwortet viele Touristen
Umfrage: Mehrheit in MV befürwortet viele Touristen

Mecklenburg-Vorpommern soll Tourismusland bleiben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage für den Nordkurier. Eine Mehrheit der Befragten bewertet die hohe Zahl von Touristen im Land positiv oder spricht sich gar für weitere aus. Tourismus-Experten sehen das positiv, fordern aber mehr Qualität der Urlaubsangebote und ein Umdenken im Bundesland.

Klare Mehrheit für Tourismus

33,3 Millionen Gäste-Übernachtungen zählte die Tourismusbranche im Nordosten im Vorjahr. Tendenz weiter steigend. Hätten Sie gern mehr oder weniger Touristen in MV?, fragte das Meinungsforschungsinstitut INSA Consulere. Das Ergebnis: 28 Prozent der Befragten sind für mehr - davon zehn Prozent für „deutlich mehr“ und 18 Prozent für „etwas mehr“. 37 Prozent finden die Zahl der Gäste gut so, wie sie ist. 26 Prozent wollen dagegen weniger Touristen in MV - davon 18 Prozent „etwas weniger“ und 8 Prozent „deutlich weniger“. Rund 10 Prozent sagten „egal“, „weiß nicht“ oder machen keine Angabe. INSA hat vom 4. bis 11. August landesweit 1000 Wahlberechtigte befragt.

Unterschiede nach Geschlecht und Wohnort

Vor allem Männer wünschen sich offenbar mehr Touristen im Land: 37 Prozent geben das in der Umfrage an, bei Frauen sind es nur 22 Prozent. Weniger Gäste wollen 22 Prozent der Männer und 29 Prozent der Frauen. Den jetzigen Stand halten 30 und 42 Prozent für richtig.

Unterschiede bestehen mit Blick auf die Herkunft: Stadtbewohner plädieren eher für den Ist-Zustand der Touristenzahl - mit Tendenz auf Zuwachs. Bei Menschen vom Lande halten sich die drei Optionen mehr, weniger, gleich in etwa die Waage.

Parteipräferenz und Tourismus

Nach Parteienpräferenz der Befragten ergibt sich folgendes Bild: Nur BSW-Wähler wünschen sich mit einer absoluten Mehrheit (51 Prozent) eine Reduzierung der Touristenzahl. Bei Grünen-Anhängern überwiegt der Wunsch nach mehr (45 Prozent). Bei AfD-Wählern dominiert die Zustimmung zur aktuellen Gästezahl. Klientel anderer Parteien bewertet dies relativ ausgeglichen.

Experten fordern Qualität und Infrastruktur

Alexander Winter, Geschäftsführer der Arcona Hotels & Resorts, findet das Umfrageergebnis „erfreulich“. Entscheidend sei aber nicht nur die Anzahl der Touristen. Winter listet eine Reihe von Faktoren auf, die wichtig für die Akzeptanz des Tourismus seien: das starke Gäste-Gefälle zwischen Standorten verändern, die Nebensaison beleben, eine Überlastung der Infrastruktur verhindern. „Weiter arbeiten müssen wir zum Beispiel daran, dass die alternative Anreise zum Pkw mit der Bahn stabil und gut funktioniert“, so der Arcona-Chef. Da gebe es noch „Unterversorgung“.

Weitere Punkte dürften hinzukommen, die seit Jahren im Nordosten diskutiert werden, etwa bezahlbare Wohnungen für Tourismus-Beschäftigte oder mehr Freizeitangebote, wenn das Wetter mal nicht mitspielt.

Verbesserungspotenzial sieht auch Reinhard Meyer. Thema Akzeptanz des Tourismus: „Der erste Schritt für die Touristiker ist, die Einheimischen mitzunehmen und ihnen zu deutlich zu machen: Ihr profitiert auch von dieser besseren Infrastruktur, die nicht nur für die Gäste da ist.“ Zudem müsse die Branche weiter auf mehr Qualität der Angebote setzen. „Ich glaube nicht, dass man bei diesem Wettbewerb immer schneller, höher, weiter muss, was die Übernachtungszahlen angeht“, so Meyer.

Eine Chance habe der MV-Tourismus auch gegen die preiswerte Konkurrenz in Polen, wo Bettenburgen wachsen, Arbeitskräfte aber billiger sind. „Ich glaube, dass die Löhne in Polen sich über die Zeit angleichen werden. Ich halte sehr viel davon, dass man in Deutschland den Mindestlohn zahlt. Der spielt für die Branche eine große Rolle“, erklärt der deutsche Tourismus-Präsident.